Die Türkei forciert den Einstieg in den globalen Smartphone-Markt und setzt dabei auf Technik aus der Rüstungsindustrie. Wie der Vorsitzende des Turkish World Business Council, Aydın Erkoç, und sein Stellvertreter Niyazi Berktaş mitteilten, sollen Anfang 2027 die ersten drei Modelle eines in der Türkei entwickelten Smartphones auf den Markt kommen.
Die Entwicklung der Geräte erfolgt federführend durch den türkischen Rüstungskonzern ASELSAN in Kooperation mit dem Telekommunikationsanbieter Türk Telekom und dem Technologieunternehmen TT İnovasyon. Das Projekt läuft den Angaben der Verantwortlichen zufolge bereits seit rund drei Jahren.
Verschlüsseltes Modell für den Staatsapparat
Die Modellpalette ist dreistufig geplant. Im Fokus steht zunächst ein hochgesichertes, verschlüsseltes Gerät, das ausschließlich für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes vorgesehen ist. Ergänzt wird das Portfolio durch ein preisgünstigeres Einsteigermodell für die breite Bevölkerung sowie eine technisch hochwertigere Premium-Variante.
Eine zentrale technische Besonderheit aller Geräte ist, dass sie über integrierte Satellitenantennen verfügen sollen. Damit soll die Kommunikation auch bei Naturkatastrophen wie Erdbeben oder in anderen Notlagen aufrechterhalten werden, wenn herkömmliche Mobilfunknetze zusammenbrechen. Zudem sollen die Telefone wasser- und staubresistent sein.
Nationale Sicherheitssoftware statt ausländischer Systeme
Ein Kernaspekt des Projekts ist die digitale Souveränität. Sämtliche für die nationale Sicherheit relevante Software soll im Inland entwickelt und mit einer eigenen Verschlüsselungstechnologie ausgestattet werden. Langfristig verfolgt das Konsortium das Ziel, den heimischen Software-Anteil jährlich zu steigern und schrittweise ein vollständig eigenes Betriebssystem zu etablieren, um unabhängiger von internationalen Anbietern zu werden.
Zunächst ist der Aufbau einer Produktionsstätte in Istanbul geplant. Innerhalb von ein bis zwei Jahren sollen eine weitere Fabrik und zusätzliche Fertigungslinien hinzukommen. Die Auslieferung soll zunächst mit dem verschlüsselten Behördenmodell beginnen, bevor die Geräte über Mobilfunkanbieter und Technikmärkte an Endverbraucher gehen.
Vernetzung mit dem türkischen E-Auto Togg
Neben der Hardware verfolgen die Entwickler auch ein softwaretechnisches Integrationsziel: Die Benutzeroberfläche der Smartphones soll mit dem digitalen Ökosystem des türkischen Elektroautoherstellers Togg kompatibel gemacht werden. Damit strebt das Land ein geschlossenes, nationales Technologie-Netzwerk zwischen Fahrzeug und Mobilgerät an.
Die Suche nach einem Markennamen sowie die Einsetzung eines Geschäftsführers laufen derzeit noch. Zur geplanten Vorstellung der Geräte wird laut Erkoç auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erwartet.