Die Türkei festigt ihre Position als zentrale Logistikdrehscheibe zwischen dem Persischen Golf, Eurasien und Europa. Angesichts geopolitischer Spannungen und der zunehmenden Belastung traditioneller Handelsrouten gewinnen der sogenannte „Mittlere Korridor” und das Infrastrukturprojekt „Development Road” massiv an strategischer Bedeutung. Dies erklärte Alper Özel, der Vorstandsvorsitzende des türkischen Internationalen Transporteursverbandes (UND), in einer aktuellen Einschätzung zur Lage der Branche.
Türkische Spediteure und Frachtführer seien in der gegenwärtigen Phase globaler Lieferkettenstörungen kaum noch zu umgehen, so Özel. Die beiden Großprojekte müssten als komplementäre Achsen verstanden werden, die den Einfluss des Landes an der Schnittstelle dreier Kontinente nachhaltig verstärken.
Der „Mittlere Korridor“ erstreckt sich von China über Zentralasien und das Kaspische Becken bis in die Türkei und weiter nach Europa. Parallel dazu sieht das Konzept des „Development Road“-Projekts eine leistungsfähige, bidirektionale Autobahn- und Eisenbahnverbindung vor, die den strategisch wichtigen irakischen Hafen Al-Faw (Großer Faw-Hafen) mit dem türkischen Schienennetz und somit dem europäischen Hinterland verbinden soll.
Riad öffnet Transitrouten für türkische Lkw
Einen konkreten Impuls für den Transportsektor liefert eine diplomatische Einigung mit Saudi-Arabien. Nach rund zehn Jahren Unterbrechung gewährt das Königreich türkischen Lkw-Fahrern wieder Transitvisa. Handelsminister Ömer Bolat bestätigte in der vergangenen Woche, dass diese Regelung seit dem 9. April in Kraft ist. Damit ist die Überlandroute in die Golfstaaten über saudisches Territorium wieder passierbar.
Die Wiedereröffnung des Landkorridors ist eine signifikante Erleichterung für Exporteure – insbesondere vor dem Hintergrund der durch Konflikte belasteten Routen im Nahen Osten. Özel betonte, dass eine in der Türkei beladene Fracht nun innerhalb von sieben bis acht Tagen in Saudi-Arabien entladen werden könne. Die Branche hofft auf eine rasche Rückkehr zu den früheren Transportvolumina, wobei das Visaregime eine breite Palette von Lebensmitteln bis hin zu Baumaterialien abdeckt.
Europäer setzen auf türkische Flexibilität
Trotz anhaltender Unsicherheiten durch volatile Treibstoffpreise und konjunkturelle Schwankungen beobachtet der Verband eine steigende Nachfrage europäischer Händler. „Europäische Handelsunternehmen greifen zunehmend auf türkische Transporteure zurück, da diese durch ihre Flexibilität und profunde regionale Kenntnisse überzeugen”, so Özel. In einem Umfeld zunehmender Unwägbarkeiten wird die Rolle der Türkei als verlässliche Logistikbrücke zwischen Ost und West sichtbarer denn je.