Im Sommer 2026 festigt die Türkei ihre Stellung als unangefochtene Nummer eins für russische Urlauber. Während geopolitische Spannungen Reisen in den Nahen Osten erschweren und Europa mit immer strengeren Visa-Auflagen abschreckt, rechnen Branchenvertreter mit einem anhaltend starken Gästestrom an den Bosporus und an die Türkische Riviera.
Laut aktuellen Zahlen des Verbands der Reiseveranstalter Russlands (ATOR) stiegen die Buchungen für den kommenden Sommer im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent. Dabei entfielen Ende Mai satte 57 Prozent aller Reservierungen auf die Türkei – ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit führt die Branchengröße die Absatzlisten aller großen russischen Reiseveranstalter mit deutlichem Abstand an.
ATOR prognostiziert, dass zwischen Juni und August 2,9 bis 3 Millionen russische Touristen die Strände Antalyas, die Metropole Istanbul und die Ägäisküste besuchen werden. Der Verband betont, dass sich das Auslandsgeschäft fast vollständig auf Badeurlaub konzentriert: 95 bis 97 Prozent der gesamten Sommernachfrage entfallen auf Stranddestinationen.
Der Nahe Osten fällt als Konkurrent aus
Die Dominanz der Türkei wird durch die Schwäche klassischer Konkurrenzziele zusätzlich zementiert. So machten die Vereinigten Arabischen Emirate im Juni 2025 noch sieben Prozent des Verkaufsvolumens aus, verschwanden aufgrund der Nahostkrise und daraus resultierender Verkaufsbeschränkungen aber komplett aus den aktuellen Rankings. Die Türkei füllte diese Lücke nahtlos: Ihr Marktanteil kletterte im Juni von 37,2 auf 39,4 Prozent. Neben der Türkei profitieren vor allem Ägypten, Vietnam und China von der veränderten Nachfragestruktur.
Schengen-Visa werden zum Nadelöhr
Parallel dazu dämpft die restriktive Visapolitik der Europäischen Union die Reiselust der Russen gen Westen. Zwar sank die Ablehnungsquote für Schengen-Visa im Jahr 2025 offiziell auf 6,3 Prozent, doch laut einer ATOR-Berichterstattung, die sich auf Daten der EU-Kommission stützt, brach der Anteil der begehrten Mehrfachvisa von 41,3 auf 28,4 Prozent ein. Reiseveranstalter berichten sogar von einem Rückgang der Mehrfachvisa um mehr als 90 Prozent seit dem vergangenen Herbst. Etwa drei Viertel der Antragsteller erhalten nur noch ein Visum, das exakt auf die Reisedaten zugeschnitten ist – das sorgt für maximale Planungsunsicherheit bei spontanen Europa-Trips.
In Kombination mit der visafreien Einreise und einem dichten Netz an Direktflügen wird die Türkei so zum kalkulierbarsten und bequemsten Sommerziel in Reichweite für russische Touristen. Während Antalya das unbestrittene Zentrum des Badetourismus bleibt, punkten Istanbul zunehmend im Kultur- und Shopping-Segment und die Ägäisküste als Geheimtipp für anspruchsvolle Reisende.