Türkei plant verpflichtende Altersfreigaben für digitale Spiele

27.01.2026 – 6:35 Uhr

Mit einem neuen Gesetzentwurf will die türkische Regierung den Jugendschutz im digitalen Raum deutlich verschärfen. Kernvorhaben ist die landesweit verpflichtende Alterskennzeichnung für alle auf Online-Plattformen angebotenen Spiele. Spiele ohne eine solche Einstufung sollen künftig vom heimischen Markt ausgeschlossen werden, wie aus einer parlamentarischen Sitzung hervorging.

Der Gesetzentwurf ist Teil einer umfassenderen Initiative zum Schutz Minderjähriger im Internet und soll noch diese Woche dem Parlament vorgelegt werden. In der Debatte warnte Familienministerin Mahinur Özdemir Göktaş vor den wachsenden Risiken durch digitale Spiele, insbesondere durch integrierte Chat-Funktionen. So könnten Kinder ab 13 Jahren mit wesentlich älteren Erwachsenen in Kontakt kommen und schädlichen Inhalten wie Gewaltdarstellungen oder organisierten Online-Gruppen ausgesetzt werden.

„Spiele ohne klare Altersfreigabe sollten in der Türkei nicht zum Download angeboten werden dürfen. Oder diese Plattformen müssen zumindest lokale Vertreter vorhalten”, forderte die Ministerin.

Ergänzend präsentierte der Polizeichef von Ataşehir in Istanbul, Abdülkadir Bilen, aktuelle Zahlen: Demnach spielen rund zwei Drittel aller Kinder digitale Spiele über mindestens ein Gerät wie Smartphone, Computer oder Konsole. In der Altersgruppe der 6- bis 15-Jährigen spielen etwa drei Viertel regelmäßig.

Der geplante Rechtsrahmen sieht zudem strengere Regeln für soziale Medien vor. Plattformen sollen künftig keine Dienste mehr für Personen unter 15 Jahren anbieten dürfen und sind dann verpflichtet, Altersverifikationssysteme, Eltern-Kontrollen und Meldemechanismen einzuführen.

Unterstützung für Eltern kommt von UNICEF. Die Organisation empfiehlt, offen mit Kindern über Technik zu sprechen, klare Regeln für die Bildschirmzeit durchzusetzen und das Online-Verhalten mit einfachen Richtlinien zu begleiten.