Türkei plant neue Koordinierungsgremien für kritische Rohstoffe

25.08.2026 – 6:35 Uhr

Die türkische Regierung bereitet eine tiefgreifende Neuordnung ihrer Rohstoffpolitik vor. Mit der geplanten Gründung zweier hochrangiger Koordinierungsgremien will die Regierung in Ankara die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten drastisch reduzieren und die heimische Produktion strategisch wichtiger Mineralien massiv ausbauen. Der Fokus liegt dabei auf der Verteidigungs-, Energie- und Hochtechnologieindustrie.

Wie aus Regierungskreisen verlautet, soll das neu zu schaffende „Kritische Mineralien-Gremium” unter der Federführung des Ministeriums für Energie und natürliche Ressourcen stehen. In diesem Spitzengremium sollen die Fäden von Staatskonzernen, Forschungseinrichtungen und Ministerien zusammenlaufen. Vorgesehen ist die Beteiligung des staatlichen Bergbauunternehmens Eti Maden, der Generaldirektion für Mineralforschung und -exploration (MTA), des Wissenschafts- und Technologieforschungsrats der Türkei (TÜBİTAK) sowie der Präsidentschaft für Verteidigungsindustrie.

Die Aufgaben des Gremiums sind weitreichend. So soll es die strategische Bedeutung einzelner Mineralien für Schlüsselindustrien bewerten, potenzielle Lieferkettenstörungen analysieren und die ökologischen sowie sozialen Folgen von Abbau und Verarbeitung untersuchen. Zentrales Ziel ist es, die heimische Förderung für die Sektoren Verteidigung, Elektronik und Energieerzeugung gezielt zu steigern.

Parallel dazu ist die Einsetzung eines „Gremiums für kritische Rohstoffe” geplant. Dieses soll umfassende Strategien entwickeln, um die für die industrielle und technologische Transformation benötigten Inputs zu sichern. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf unverarbeiteten Erzen, sondern auch ausdrücklich auf verarbeiteten Materialien, landwirtschaftlichen Grundstoffen und recycelten Stoffen.

Als kritisch gelten Mineralien, wenn Versorgungsengpässe oder drastische Preisschwankungen die industrielle Produktion empfindlich stören können. Zu den kritischen Mineralien zählen beispielsweise Lithium, Kobalt, Nickel und Graphit für Batterien von Elektrofahrzeugen und Energiespeichern, Seltene Erden für Elektronik und Magnete sowie Kupfer, Bor, Wolfram und Antimon für die Hightech-Fertigung, die Luft- und Raumfahrt sowie die Chemieindustrie.

Ein aktueller Bericht der Türkei zu kritischen und strategischen Mineralien hat insgesamt 37 Rohstoffe untersucht. Mit einem Kritikalitätswert von 16 oder höher wurden Lithium, Silber, Titan, Eisen, Mangan, Zink, Kupfer und Aluminium in die höchste Prioritätsstufe eingestuft.

In die Kategorie „potenziell kritisch” mit einem Wert unter 10 fielen dagegen Beryllium, Fluorit, Chrom, Bor, Platin, Magnesit, Feldspat, Kaolin, Trona und Bentonit. Darüber hinaus identifizierte der Bericht 26 strategische Mineralien, die speziell auf die Erfordernisse der Verteidigungsindustrie zugeschnitten sind.