Die Türkei verzeichnet einen deutlichen Anstieg internationaler Tech-Gründer: Im vergangenen Jahr haben 22 ausländische Technologie-Start-ups das speziell aufgelegte „Tech-Visum“-Programm erfolgreich durchlaufen und ihre Geschäftstätigkeit in der Türkei aufgenommen. Das geht aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht des Ministeriums für Industrie und Technologie hervor. Bewerbungen für das Visum, das Fachkräfte und Unternehmer ins Land locken und die Türkei als globalen Tech-Standort etablieren soll, gingen demnach aus 47 verschiedenen Nationen ein.
Insgesamt haben seit Einführung des Programms 58 Start-ups von der Regelung profitiert.
Parallel zu den Bemühungen um internationale Gründer forciert Ankara den Ausbau seiner nationalen Digitalstrategie. Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, wurde die Generaldirektion für Nationale Technologie zur Generaldirektion für Nationale Technologie und Künstliche Intelligenz umstrukturiert. Das Ziel besteht darin, den Fokus auf „vertrauenswürdige und ethische” KI-Anwendungen zu legen sowie die notwendige Dateninfrastruktur und Fachkompetenz auszubauen.
Breite Förderkulisse für die Gründerszene
Neben dem Visa-Programm macht der Bericht die wachsende Dynamik der heimischen Start-up-Szene deutlich. So erwarben bis Ende 2025 insgesamt 667 Unternehmen das staatliche „Tech Entrepreneurship“-Abzeichen. Über ein gemeinsames Portal von Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen wurden zudem rund 400.000 digitale Zertifikate an 225.000 Teilnehmende vergeben.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Skalierung junger Unternehmen: 35 Firmen wurden in das Förderprogramm „Turcorn 100” aufgenommen, das die Entstehung von Milliarden-Dollar-Start-ups (sogenannte „Turcorns”) zum Ziel hat. Finanzielle Unterstützung erhalten die Unternehmen unter anderem aus dem Technologie- und Innovationsfonds. Dieser verfügt über ein Volumen von 475 Millionen Lira (umgerechnet etwa 12,4 Millionen Euro) und investierte im Berichtszeitraum 123 Millionen Lira (rund 3,2 Millionen Euro) in acht vielversprechende Start-ups.
Bildungsoffensive: Campus und Workshops
Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen und Talente frühzeitig an die Industrie zu binden, setzt das Ministerium auf das Programm „Campus im Sektor”. Es bringt Hochschulen und Unternehmen zusammen, um eine praxisnahe Lehre zu ermöglichen. Laut Bericht beteiligten sich im Jahr 2025 insgesamt 108 Unternehmen und 204 Universitäten an der Initiative. In 330 Kursen kamen so 9.573 Studierende mit der Berufspraxis in Kontakt.
Für die akademische Elite wurden im Studienjahr 2024/25 die „Nationalen Technologie-Exzellenzprogramme” aufgelegt. 2.500 Studierende wurden in Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz, autonomem Fahren und Chipdesign aufgenommen.
Bereits in der schulischen Bildung setzt das Ministerium auf Technikförderung: Seit 2019 absolvierten insgesamt 9.490 Schülerinnen und Schüler in 131 Workshops in allen 81 Provinzen des Landes eine dreijährige Ausbildung in elf verschiedenen Technologiebereichen.