Türkei lockt immer mehr Studenten an: doch die bleiben immer kürzer

15.03.2026 – 6:30 Uhr

Die Türkei ist für internationale Studierende so attraktiv wie nie zuvor. Mit über 350.000 eingeschriebenen ausländischen Studierenden aus 198 Nationen hat sich die Zahl der Bildungsmigranten innerhalb von zehn Jahren versiebenfacht. Doch hinter diesem Rekordhoch verbirgt sich ein gegensätzlicher Trend: Die Verweildauer der jungen Akademiker an türkischen Hochschulen sinkt.

Bildungsexperten beobachten, dass immer mehr internationale Bachelor-Studierende das Land vorzeitig verlassen, oft bereits nach dem zweiten oder dritten Studienjahr. „Früher war es üblich, dass ausländische Studierende ihr gesamtes Grundstudium in der Türkei absolvierten“, erklärt Caner Otrakçı, Direktor der Studienberatung Study in Türkiye. „Jetzt beobachten wir zunehmend, dass sie gegen Ende des zweiten oder dritten Jahres nach Alternativen suchen.“

Dieser Trend habe besonders seit 2023 an Fahrt aufgenommen. Otrakçı nennt die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und den angespannten Wohnungsmarkt in den Metropolen als Hauptgründe. Für viele wiege die finanzielle Belastung schwerer als die nach wie vor moderaten Studiengebühren. Zugleich erhöht der wachsende internationale Wettbewerb den Druck: Andere Länder locken mit attraktiven Gesamtpaketen aus Bildung und Lebensqualität.

Dadurch gerät die Türkei zunehmend in die Rolle eines akademischen Sprungbretts. „Viele betrachten das Land nur noch als Startpunkt für eine weiterführende Karriere in Europa oder Nordamerika“, so Otrakçı. Hinzu komme, dass das Gefühl der sozialen Zugehörigkeit und die Betreuung oft nicht den Erwartungen der internationalen Studierenden entsprächen. Dabei ist gerade das „Sense of Belonging“, das Gefühl, willkommen zu sein, entscheidend für den Verbleib.

Trotz der Abwanderung bleibt der Markt für Bildungsmigration in Bewegung. Otrakçı identifiziert Länder wie Malaysia, Indonesien, Pakistan, Bangladesch, Indien, China und die zentralasiatischen Republiken als wichtige Wachstumsmärkte für die Zukunft. Die Türkei müsse jedoch Strategien entwickeln, um Studierende nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig an sich zu binden.