Finanzminister Mehmet Şimşek schätzt, dass das Leistungsbilanzdefizit der Türkei trotz eines Anstiegs kontrollierbar bleibt. Wie der Minister am 13. Oktober auf der Plattform X mitteilte, wird das Defizit durch wachsende Warenexporte und stabile Einnahmen aus dem Dienstleistungssektor ausgeglichen. Die Türkei verfügt über diversifizierte Energiebezugsquellen und eine starke Infrastruktur, die ihre Energiesicherheit auch angesichts zunehmender Risiken für die globale Versorgung gewährleisten.
Zuvor hatte die Zentralbank Daten veröffentlicht, wonach im August ein Leistungsbilanzüberschuss von 4,05 Milliarden US-Dollar erzielt wurde. Das Defizit auf Zwölfmonatsbasis weitete sich jedoch von 41,5 Milliarden Dollar im Juli auf 42,1 Milliarden Dollar aus.
1,1 Billionen Dollar für Energieimporte in 26 Jahren
Şimşek wies darauf hin, dass die Türkei in den vergangenen 26 Jahren 1,1 Billionen Dollar für Energieimporte ausgegeben hat. Dies entspreche dem 1,6-Fachen des kumulierten Leistungsbilanzdefizits in diesem Zeitraum und dem Doppelten des aktuellen Bruttoauslandschuldenstands. Die Zahlen unterstreichen die strategische Bedeutung der grünen Transformation. Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit von importierter Energie dürften die Widerstandsfähigkeit gegen globale Preisschocks mittel- und langfristig stärken und zugleich zur Verbesserung der Leistungsbilanz beitragen.
Die Regierung werde ihre Politik fortsetzen, den Marktzugang durch Freihandelsabkommen zu erweitern, die Wertschöpfung der Exporte zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit in Dienstleistungsbereichen wie Gesundheitstourismus, Bauwirtschaft, Software, Bildung, Ingenieurwesen und Design zu verbessern.
Warendefizit und Dienstleistungsüberschuss
Laut den Daten der Zentralbank verzeichnete der Warenhandel im August ein Defizit von 3,75 Milliarden Dollar, während der Dienstleistungssektor Nettozuflüsse von 9,7 Milliarden Dollar erwirtschaftete. Die Nettoeinnahmen aus dem Reiseverkehr beliefen sich auf 7,3 Milliarden US-Dollar, aus dem Transportsektor auf 3,3 Milliarden US-Dollar. Unter Ausschluss von Gold und Energie belief sich der Leistungsbilanzüberschuss auf 8,2 Milliarden Dollar.
Direktinvestitionen führten zu Nettozuflüssen von 141 Millionen US-Dollar, während Portfolioinvestitionen Nettoabflüsse von rund einer Milliarde US-Dollar verzeichneten. Die offiziellen Reserven stiegen im Monatsverlauf um 7,14 Milliarden Dollar.
Defizit im Achtmonatszeitraum gestiegen
In den ersten acht Monaten des Jahres summiert sich das Leistungsbilanzdefizit auf 31,5 Milliarden Dollar gegenüber 19,7 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das mittelfristige Programm der Regierung sieht für 2026 ein Defizit von 47,5 Milliarden Dollar oder 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor. Für 2027 wird ein Rückgang auf 38,5 Milliarden Dollar bzw. 1,9 Prozent des BIP prognostiziert.