Türkei legt Energiestatistik 2025 vor: Erneuerbare und Eigenproduktion legen kräftig zu

30.06.2026 – 6:35 Uhr

Die Türkei hat im Jahr 2025 einen regelrechten Sprint bei der Energiewende hingelegt. Während die heimische Erdgasförderung um fast 38 Prozent stieg, überholte die Solarenergie erstmals die Gaskraftwerke bei der installierten Leistung. Parallel dazu hat sich die Zahl der Elektroautos nahezu verdoppelt, wie aus den aktuellen Marktentwicklungsberichten der Energieaufsichtsbehörde EPDK hervorgeht.

Demnach stieg die gesamte Stromproduktion des Landes, doch das mit Abstand stärkste Wachstum verzeichnete der Bereich der unlizenzierten Stromerzeugung, was auf kleine, oft dezentrale Anlagen hindeutet. Hier betrug der Zuwachs 41,8 Prozent auf 28 877 Gigawattstunden. Die lizenzierte Erzeugung legte hingegen nur leicht um 1,3 Prozent auf 325 707 Gigawattstunden zu. Der Gesamtstromverbrauch der Türkei kletterte um 3,4 Prozent auf 352 510 Gigawattstunden.

Solare Wachablösung im Kraftwerkspark

Ein historischer Wendepunkt zeichnet sich im türkischen Kraftwerkspark ab. Die installierte Leistung der Solarenergie erreichte zum Jahresende 25.801 Megawatt und überflügelte damit die Gaskraftwerke mit 24.162 Megawatt. Die Wasserkraft bleibt mit 32 296 Megawatt zwar auf dem Spitzenplatz, doch die Photovoltaik hat sich auf Rang zwei katapultiert. Insgesamt stieg die gesamte Stromerzeugungskapazität des Landes auf 123 168 Megawatt, wovon erneuerbare Quellen mit 76 766 Megawatt bereits 62,3 Prozent ausmachen.

Erdgas: Förderrekord und neue Exportstärke

Nicht nur bei Wind und Sonne, sondern auch unter der Erde tut sich etwas: Die türkische Erdgasproduktion legte im Jahr 2025 um starke 37,7 Prozent auf 3,11 Milliarden Kubikmeter zu. Während der Verbrauch bei rund 59 Milliarden Kubikmetern lag, stiegen die Gasexporte um 28,5 Prozent auf 2,28 Milliarden Kubikmeter – ein neuer Höchststand. Um diese Mengen bewältigen zu können, wird die Infrastruktur ausgebaut. So stieg die Kapazität der unterirdischen Gasspeicher auf 6,3 Milliarden Kubikmeter und die der LNG-Terminals auf 1,05 Millionen Kubikmeter. Größter Gaslieferant blieb Russland, gefolgt von Aserbaidschan und den USA.

Öl- und LPG-Märkte im Aufwind

Auch bei den flüssigen Brennstoffen zogen die Zahlen an. So stieg der Import von Rohöl um 6,37 Prozent auf fast 32 Millionen Tonnen. Russland war mit einem Anteil von knapp 60 Prozent erneut die mit Abstand wichtigste Quelle. Die Raffinerieproduktion legte um 8,3 Prozent auf 39,17 Millionen Tonnen zu. Am LPG-Markt gewinnt die Eigenproduktion an Gewicht: Die Herstellung in heimischen Raffinerien wuchs um sechs Prozent auf über 990.000 Tonnen und deckte damit ein Viertel der Inlandsverkäufe ab.

Mobilitätswende: E-Auto-Bestand explodiert

Das vielleicht dynamischste Feld ist die Elektromobilität. Der Bestand an registrierten Elektrofahrzeugen schnellte von 185 513 auf 373 733 hoch – ein Plus von über 100 Prozent. Im Durchschnitt kamen monatlich 12.000 bis 18.000 neue E-Autos hinzu. Der Aufbau der Ladeinfrastruktur konnte mit diesem Tempo mithalten: Die Zahl der Ladepunkte stieg von 26.046 auf 38.808, wobei 43 Prozent der Anschlüsse Schnellladesäulen sind. Mit 370.591 Fahrzeugen machen rein batterieelektrische Pkw den Löwenanteil der Flotte aus. Die Elektromobilität ist damit kaum noch eine Nische, sondern ein Massenmarkt.