Türkei kann laut Analyse 85 Prozent seines Energieverbrauchs mit Strom decken

31.10.2026 – 6:30 Uhr

Laut einer Analyse könnte die Türkei den Anteil von Strom am gesamten Endenergieverbrauch von derzeit 22 Prozent mit vorhandenen Technologien auf bis zu 85 Prozent steigern. Das geht aus einer Untersuchung des Energie-Thinktanks Ember hervor, die im Vorfeld der UN-Klimakonferenz COP31 veröffentlicht wurde. Diese findet vom 9. bis 20. November in Antalya statt.

Mit ihrer Elektrifizierungsquote von 22 Prozent liegt die Türkei demnach nahe am globalen Durchschnitt von 23 Prozent sowie am Niveau der Europäischen Union. Sie liegt über den Werten des Nahen Ostens (20 Prozent) und Afrikas (12 Prozent), bleibt aber hinter Asien zurück, wo die Quote durchschnittlich 28 Prozent erreicht.

In der Türkei entfallen nach Sektoren aufgeschlüsselt rund 32 Prozent des Energieverbrauchs in Gebäuden und etwa 30 Prozent in der Industrie auf Strom. Im Verkehrssektor liegt der Anteil dagegen noch unter einem Prozent.

Laut der Analyse wäre mit heutiger Technologie der gesamte Energiebedarf von Gebäuden, 96 Prozent des Verkehrs und 58 Prozent der Industrie auf Strom umstellbar. Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen und elektrische Produktionstechnologien verrichten dieselbe Arbeit mit deutlich weniger Energie als fossile Brennstoffe. Der Umbau würde die Energieimporte senken und die Energiesicherheit stärken.

Ziel bis 2035: Zehnmal schneller

Die Türkei hat den Anteil von Solar- und Windkraft an der Stromerzeugung in den vergangenen zehn Jahren von 4,5 auf 22 Prozent gesteigert. Um jedoch das von der türkischen COP31-Präsidentschaft ausgegebene Ziel einer globalen Elektrifizierungsquote von 35 Prozent bis 2035 zu erreichen, müsste sich das Tempo deutlich erhöhen. In den vergangenen elf Jahren stieg die Quote lediglich um 1,3 Prozentpunkte – nötig wäre eine zehnmal schnellere Entwicklung.

Die Analyse nennt als Hauptgrund für die Stagnation, dass der Strombedarf in der Türkei seit 1990 zwar um das Siebenfache gewachsen ist, der Anteil fossiler Brennstoffe am Endenergieverbrauch aber konstant bei rund 70 Prozent liegt. Bei Fortsetzung des aktuellen Trends würde die Elektrifizierungsquote bis 2035 lediglich auf 24 Prozent steigen. Das Ziel, die installierte Wind- und Solarkapazität zu verdreifachen, sowie das Solarpotenzial auf Dächern bilden jedoch eine belastbare Grundlage für das Erreichen der 35-Prozent-Marke.

Laut Analyse entspricht jeder Anstieg der nationalen Elektrifizierungsquote um einen Prozentpunkt dem Effekt von 5,7 Millionen neuen Elektroautos oder dem Umstieg von 2,5 Millionen Haushalten von fossilen Brennstoffen auf Wärmepumpen. Allein der Wechsel zu Wärmepumpen in Privathaushalten könnte elf Prozentpunkte zur nationalen Quote beitragen.

Experte: Ziel ist erreichbar

Bahadır Sercan Gümüş, leitender Ember-Energieanalyst und Autor der Studie, erklärte, die Türkei habe bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zuletzt erhebliche Fortschritte gemacht und damit eine solide Basis geschaffen. Das 35-Prozent-Ziel sei erreichbar. „Um diese saubere Energie in die gesamte Wirtschaft zu tragen, muss Strom in Gebäuden, im Verkehr und in der Industrie fossile Brennstoffe ersetzen”, sagte Gümüş. Durch politische Weichenstellungen und Infrastrukturinvestitionen könne die Türkei ihre Abhängigkeit von importierten Brennstoffen verringern und ihre Energiesicherheit stärken.