Türkei: Goldrausch belastet Staatshaushalt – Börse für Edelmetalle geplant

02.03.2026 – 7:00 Uhr

Steigende Goldpreise und eine rückläufige heimische Förderung belasten die türkische Wirtschaft. Laut dem Verband der türkischen Bergbauunternehmen steigt die Abhängigkeit von Importen, während die Nachfrage nach dem Edelmetall als Krisenschutz boomt. Als Reaktion auf diese Entwicklung plant die Branche nun die Einrichtung einer eigenen Rohstoffbörse.

Mehmet Yılmaz, Präsident des türkischen Bergbauverbands, erklärte am Dienstag, dass ein um eine Unze steigender Goldpreis das Land mit zusätzlichen 400 Millionen Dollar belaste. Als Hauptgrund für das Rekordniveau des Goldpreises nannte er die wachsende Verunsicherung der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft. Ein Kurs von 5.000 Dollar pro Unze sei die „neue Normalität“. Spekulationen über eine mögliche militärische Eskalation im Konflikt mit dem Iran sowie der Vertrauensverlust in die wirtschaftliche Stabilität der USA befeuerten die Nachfrage zusätzlich.

Die türkische Förderung kann mit dem Run auf den sicheren Hafen jedoch nicht mithalten. Wie Yılmaz weiter ausführte, sank die heimische Produktion im Jahr 2025 auf 28,4 Tonnen und verfehlte damit die Branchenziele um fast die Hälfte. Im selben Zeitraum verarbeitete allein die staatliche Münzprägeanstalt 49,7 Tonnen zu Schmuck und Münzen. „Selbst für die Prägung unserer Viertel-Goldmünzen reicht die eigene Förderung nicht aus. Wir sind komplett auf Importe angewiesen“, so Yılmaz. Insgesamt importierte die Türkei im vergangenen Jahr 126,3 Tonnen des Edelmetalls.

Ein weiterer struktureller Wandel verschärft die Lage: Klassische Schmuckkäufe treten zunehmend in den Hintergrund. „Die Nachfrage zu Investitionszwecken hat die Schmucknachfrage überholt“, sagte Yılmaz. Dies sei ein klares Signal für die stark gestiegene Risikoaversion in der Bevölkerung.

Um die Abhängigkeit von Preisschwankungen zu verringern und neue Finanzierungsquellen zu erschließen, treibt der Verband nun die Gründung einer türkischen Bergbaubörse voran. Ziel ist es, mehr Preistransparenz zu schaffen und den Handel mit Rohstoffen zu erleichtern. Yılmaz zufolge wird noch in diesem Jahr mit der behördlichen Genehmigung gerechnet, der Start der Plattform ist für 2026 geplant.