Türkei festigt Position als zweitgrößte Wasserkraftnation Europas

03.07.2026 – 9:00 Uhr

Die Türkei hat ihre Position als europäischer Schwergewichtsmeister der Wasserkraft massiv ausgebaut und Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien deutlich hinter sich gelassen. Mit einer installierten Gesamtleistung von rund 32.294 Megawatt wird das Land am Bosporus auf dem Kontinent nur noch von Norwegen übertroffen. Doch während die reinen Zahlen beeindrucken, warnen Branchenvertreter eindringlich vor einem gefährlichen Rückstand bei modernen Speichertechnologien.

Laut dem aktuellen „2026 World Hydropower Outlook“ der International Hydropower Association (IHA) verteidigt die Türkei ihren neunten Platz im globalen Ranking erfolgreich. In diesem werden Länder wie China, Brasilien, die USA, Kanada, Indien, Russland, Japan und Norwegen als Schwergewichte geführt. Weltweit stieg die gesamte installierte Wasserkraftkapazität im vergangenen Jahr auf 1 469 Gigawatt, wovon 1 269 Gigawatt auf konventionelle Lauf- und Speicherkraftwerke und 201 Gigawatt auf Pumpspeicheranlagen entfielen. Der jährliche Zubau von 28 Gigawatt wurde maßgeblich von einem historischen Rekord bei den Pumpspeicherprojekten getragen.

Die globale Stromproduktion aus Wasserkraft summierte sich auf 4 495 Terawattstunden und bewegte sich damit annähernd auf dem Niveau der gesamten weltweiten Wind- und Solarstromerzeugung. Dies belegt, dass Wasser nach wie vor die mächtigste erneuerbare Stromquelle des Planeten ist.

Gerade bei den hochflexiblen Pumpspeicherwerken, die für die Netzstabilisierung und Langzeitspeicherung von entscheidender Bedeutung sind, offenbart sich eine Achillesferse der Türkei. Elvan Tuğsuz Güven, die Vorsitzende des türkischen Wasserkraft-Industrieverbands HESİAD, drängt die Regierung zu einem abrupten Kurswechsel. „Die Türkei muss ihre Investitionen in Pumpspeicherkraftwerke drastisch beschleunigen“, fordert Güven. In Zeiten explodierender Solarenergie- und Windkraftkapazitäten sowie steigender Stromnachfrage sei diese Technologie keine Luxuslösung, sondern eine Frage der nationalen Energiesicherheit.

Güven verwies auf die gewaltige globale Projektpipeline: Weltweit befinden sich derzeit Projekte mit einer Gesamtkapazität von 1 127 Gigawatt in der Entwicklung. Davon sind bereits über 390 Gigawatt im Bau – mehr als die Hälfte des Portfolios entfällt auf die Pumpspeichertechnologie. Diese Anlagen könnten jene essenziellen Systemdienstleistungen wie Flexibilität, Reservekapazität und Netzsicherheit bereitstellen, die von rein wetterabhängigen Quellen nicht geliefert werden können. Güven zufolge bietet die beginnende neue Investitionswelle der Türkei eine historische Chance, ihre Energiewende abzusichern. Ohne zügige Investitionsentscheidungen drohe die wachsende Abhängigkeit von ausländischen Energieressourcen fortzubestehen.