Während geopolitische Krisen die Welt in Atem halten, zementiert die Türkei ihre Stellung als bevorzugter sicherer Hafen für russische Immobilieninvestoren. Wie aus einer Branchenveranstaltung des Türkei-Russland-Wirtschaftsrates hervorgeht, ist die Nachfrage aus Russland in diesem Jahr bereits um ein Fünftel gestiegen. Nicht mehr der schnelle Pass, sondern die Suche nach langfristiger Sicherheit treibt die Käufer an.
Tanju Bilgiç, der türkische Botschafter in Moskau, betonte in einem Webinar des DEİK-Wirtschaftsrates, dass die jüngsten Spannungen in der Golfregion die Attraktivität des Landes als alternativer Investitionsstandort weiter gesteigert hätten. „Die Türkei behauptet ihre Anziehungskraft auf russische Staatsangehörige durch ihr Klima, ihre starken Verkehrsnetze, ihr verlässliches Grundbuchsystem und ihre kulturelle Nähe”, erklärte Bilgiç. Auch türkische Fernsehserien hätten das Interesse spürbar befeuert. Um das Potenzial voll auszuschöpfen, müssten die Investitionsmöglichkeiten auf dem russischen Markt allerdings noch offensiver beworben werden.
Russen sind bereits jetzt die größte ausländische Käufergruppe auf dem türkischen Wohnimmobilienmarkt. Laut İzzet Ekmekçibaşı, dem Vorsitzenden des DEİK-Wirtschaftsrates, lenken geopolitische Spannungen, etwa rund um die Straße von Hormus, die Aufmerksamkeit der Investoren verstärkt auf stabile Umfelder wie die Türkei.
Ein deutlicher Strategiewechsel wird bei den Investitionsmotiven sichtbar. Zafer Baysal, Vorstandsmitglied der Branchenverbände KONUTDER und GYODER, sagte, ausländische Anleger kauften nicht mehr primär, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten. „Stattdessen suchen sie Schutz vor globaler Unsicherheit und legen Wert auf Top-Lagen, Liquidität und langfristige Sicherheit.” Die Türkei fungiert dabei als kritische Brücke zwischen Asien und Europa und bietet Zugang zum Mittelmeerraum.
Neşecan Çekici, die Vorstandsvorsitzende des Immobilieninvestorenverbands GYODER, betonte, dass Vertrauen und Rechtssicherheit für Anleger inzwischen wichtiger seien als die reine Rendite. Sie forderte eine Ausweitung der bilateralen Zusammenarbeit auf zukunftsträchtige Sektoren wie Logistik, Gesundheitswesen, Rechenzentren und Stadterneuerung.
Die anhaltend hohe Nachfrage wurde auch von Ekaterina Avdeeva von der russischen Handelskammer bestätigt. Demnach verzeichneten die Investitionen seit Jahresbeginn einen Anstieg um 20 Prozent. Neben Istanbul lägen die Präferenzen besonders auf Antalya, Mersin und Bodrum. Avdeeva führte aus, dass der moderne Investor Kapitalschutz und Transparenz priorisiere – Anforderungen, die die Türkei durch rechtliche Rahmenbedingungen und eine solide Infrastruktur in Zeiten volatiler Märkte erfülle.