Türkei: Budgetdefizit weitet sich trotz steigender Steuereinnahmen aus

18.05.2026 – 6:35 Uhr

Der türkische Staatshaushalt ist im April tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Defizit schnellte auf 338,7 Milliarden Lira (rund 7,4 Milliarden US-Dollar) hoch und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahresmonat fast verdoppelt. Dies gab das Ministerium für Finanzen und Treasury am 15. Mai bekannt.

Im März hatte das Minus noch bei 230 Milliarden Lira gelegen, im April 2025 bei 175 Milliarden Lira. Als Haupttreiber der Schieflage entpuppten sich die stark gestiegenen Ausgaben. Sie kletterten um 34,7 Prozent auf 1,52 Billionen Lira. Besonders ins Gewicht fielen die nicht zinsbezogenen Ausgaben, die um 45,4 Prozent auf 1,3 Billionen Lira stiegen. Einen leichten Dämpfer gab es dagegen bei den Zinsausgaben, die um 1,3 Prozent auf 257,6 Milliarden Lira zurückgingen.

Die Einnahmen konnten mit dem Ausgabenschub nicht Schritt halten. Zwar stiegen die Gesamteinnahmen um 23,9 Prozent auf 1,19 Billionen Lira, gestützt durch ein Steuerplus von 28,5 Prozent auf 1,01 Billionen Lira. Dennoch klaffte am Ende eine gewaltige Lücke.

Besonders deutlich zeigt sich der Stimmungsumschwung beim sogenannten Primärsaldo, der die Zinslast ausklammert. Hier stand im April ein Defizit von 81,1 Milliarden Lira zu Buche, nachdem im Vorjahresmonat noch ein Primärüberschuss von 86 Milliarden Lira erzielt worden war.

Jahresbilanz zeigt überraschende Wende

Trotz des dramatischen Ergebnisses im April präsentiert sich die kumulierte Jahresbilanz von Januar bis April 2026 in einem freundlicheren Licht. Das kumulierte Haushaltsdefizit sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,3 Prozent auf 759 Milliarden Lira.

Noch bemerkenswerter ist die Kehrtwende beim Primärsaldo: In den ersten vier Monaten erwirtschaftete der Staat einen Primärüberschuss von 375 Milliarden Lira. Im Vorjahreszeitraum hatte es hier noch ein Defizit von 161 Milliarden Lira gegeben.

Dies wurde durch einen regelrechten Einnahmen-Boom ermöglicht: Die Einnahmen schossen um 54,3 Prozent auf 5,2 Billionen Lira in die Höhe, während die Gesamtausgaben um 40 Prozent auf 5,95 Billionen Lira stiegen. Allerdings schlugen auch die Zinsausgaben mit einem Anstieg von 56,5 Prozent auf 1,13 Billionen Lira kräftig zu Buche.