Türkei beantragt offiziell den Beitritt zum europäischen Zahlungsraum SEPA

04.07.2026 – 16:00 Uhr

Die Türkei hat einen entscheidenden Schritt in Richtung finanzieller Westintegration gemacht und offiziell ihren Beitritt zum einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) beantragt. Finanzminister Mehmet Şimşek bestätigte am Mittwoch in Istanbul die Einreichung einer entsprechenden Absichtserklärung. Mit der Mitgliedschaft würden grenzüberschreitende Überweisungen für Unternehmen und Bürger auf beiden Seiten deutlich beschleunigt, günstiger und sicherer werden, so Şimşek.

Anlass war ein Treffen im Rahmen des hochrangigen Wirtschaftsdialogs zwischen der Türkei und der EU mit dem zuständigen EU-Kommissar Valdis Dombrovskis. Trotz der festgefahrenen Beitrittsverhandlungen bekräftigte Şimşek die strategische Ausrichtung seines Landes auf einen EU-Beitritt. Als Fundament dieser Partnerschaft verwies er auf einen Rekord-Bilateralhandel von 233 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr sowie auf wechselseitige Investitionen von über 200 Milliarden US-Dollar seit 2003.

Angesichts globaler Krisen warb der Minister für eine tiefere Integration: „In einer fragmentierten Welt sollten wir in mehr Vernetzung investieren.” Ein zentraler Hebel dafür sei die Modernisierung der Zollunion. Eine Ausweitung auf Dienstleistungen, Agrarprodukte, öffentliche Aufträge und digitalen Handel berge ein zusätzliches Potenzial von rund 400 Milliarden Euro.

Fortschritte sieht die Regierung in Ankara beim geplanten europäischen Industriebeschleunigungsgesetz, insbesondere bei der Anerkennung türkischer Produkte als gleichwertig mit EU-Ursprungswaren. Um eine vollständige Reziprozität herzustellen, kündigte Şimşek zudem eine Reform des heimischen Vergaberechts an. Diese soll EU-Unternehmen einen gleichberechtigten Zugang zum türkischen Markt für öffentliche Aufträge garantieren – ein Zugeständnis, das seit Jahren von Brüssel gefordert wurde.