Der Raffineriekonzern TÜPRAŞ ist und bleibt das umsatzstärkste Industrieunternehmen der Türkei. Das geht aus der aktuellen Studie „Die 500 größten Industrieunternehmen der Türkei 2025” der Istanbuler Industriekammer (İSO) hervor. Mit einem Produktionsumsatz von 698,8 Milliarden Lira verteidigte TÜPRAŞ seine Spitzenposition deutlich vor Ford Otomotiv, das mit 538,3 Milliarden Lira erneut Rang zwei belegte.
Auf dem dritten Platz folgt die Star Rafineri AŞ mit 327,9 Milliarden Lira. Eine bemerkenswerte Verschiebung gab es im oberen Tabellendrittel durch das Gemeinschaftsunternehmen OYAK-Renault, das vom sechsten auf den vierten Rang vorrückte (235,5 Milliarden Lira). Dahinter platzierten sich Toyota Otomotiv mit 206,3 Milliarden Lira und Arçelik mit 165,7 Milliarden Lira.
Besonders auffällig ist der Aufstieg staatlich geprägter Unternehmen. So kletterte der Luft- und Raumfahrtkonzern TUSAŞ von Platz 11 auf Rang 7, die staatliche Ölgesellschaft TPAO von 16 auf 8 und das Rüstungsunternehmen ASELSAN von 17 auf 9. Mercedes-Benz komplettiert die Top 10 mit einem Sprung von Rang 12.
Umsatzwachstum real nur moderat
Insgesamt stiegen die kumulierten Produktionsumsätze der 500 größten Industriekonzerne im Vergleich zum Vorjahr nominal um 28 Prozent auf 11,1 Billionen Lira. Bereinigt um die hohe Inflation – der Erzeugerpreisindex lag 2025 bei durchschnittlich 25,4 Prozent – ergibt sich jedoch ein verhaltenes Bild. Das reale Umsatzplus betrug lediglich 2,1 Prozent. ISO-Präsident Erdal Bahçıvan wertete dies in einer Pressekonferenz zwar als leichte Erholung nach drei Jahren realer Schrumpfung, betonte jedoch, dass die begrenzte Steigerung auf ein anhaltend schwaches Absatzumfeld hindeute.
Starke Exportdynamik trotz schwieriger Weltlage
Einen Lichtblick liefern die Exportzahlen. Während die gesamte Warenausfuhr der Türkei im Jahr 2025 um 4,4 Prozent auf 273,3 Milliarden US-Dollar zunahm, steigerten die ISO-500-Unternehmen ihre Exporte überdurchschnittlich um 8,4 Prozent auf 104,7 Milliarden US-Dollar. Ihr Anteil an der Gesamtausfuhr stieg damit auf 39,7 Prozent. Dies wird als Zeichen für die robuste Wettbewerbsfähigkeit der türkischen Großindustrie auf internationalen Märkten gewertet.
Gespaltenes Bild bei der Profitabilität
Die Ertragslage erholt sich zwar nominal kräftig, bleibt aber hinter den langjährigen Durchschnittswerten zurück. Das operative Ergebnis (EBIT) der Unternehmen stieg im Jahr 2025 um 57,1 Prozent auf eine Billion Lira. Die operative Marge verbesserte sich dadurch von 6,2 auf 7,7 Prozent, liegt aber weiterhin unter dem Zehnjahresschnitt von 10,4 Prozent. Das Vorsteuerergebnis wuchs um 64,7 Prozent auf 441 Milliarden Lira. Das EBITDA stieg um 37,5 Prozent auf 1,8 Billionen Lira und die entsprechende Marge erreichte mit 13,9 Prozent fast den historischen Mittelwert.
Belastend wirkten sich hohe Finanzierungskosten aus. Zudem schnellten die Netto-Währungsverluste auf knapp 172 Milliarden Lira – eine markante Steigerung im Vergleich zu 35 Milliarden Lira im Vorjahr. Die Zahl der Unternehmen, die einen Jahresfehlbetrag auswiesen, blieb mit 152 stabil. 348 Firmen erzielten einen Gewinn.
Strukturelle Trends: Mehr Forschung, weniger Personal
Die Studie offenbart einen wachsenden Fokus auf Innovation. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben (F&E) der Top 500 stiegen um 31,4 Prozent auf den Rekordwert von 79,7 Milliarden Lira. Der Anteil der F&E-Ausgaben am Produktionsumsatz erreichte mit 0,72 Prozent ebenfalls einen historischen Höchststand. Allerdings entfällt mit 33 Prozent der größte Teil der industriellen Wertschöpfung weiterhin auf Sektoren mit niedriger und mittel-niedriger Technologieintensität.
Die Beschäftigung entwickelte sich hingegen gegenläufig. So sank die Gesamtzahl der Mitarbeiter in den Top-500-Unternehmen um 2,5 Prozent auf 804.000 Personen. Gleichzeitig stiegen die gezahlten Bruttolöhne und -gehälter um 39,3 Prozent auf 1,1 Billionen Lira. Pro Kopf entspricht dies einem nominalen Anstieg von 42,9 Prozent.
Die Kapitalmarktorientierung der Unternehmen nimmt weiter zu. Mit 91 börsennotierten Firmen in der Liste wurde ein neuer Höchststand erreicht. Die Zahl der Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung ging hingegen um sechs auf 118 zurück.