Die Türkei hat trotz schwieriger internationaler Rahmenbedingungen neue Rekordeinnahmen im Tourismus erzielt. Im dritten Quartal 2026 beliefen sich die Einnahmen auf 25,526 Milliarden US-Dollar – ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Von Januar bis September nahm das Land insgesamt 51,278 Milliarden Dollar ein, 2,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Damit wurden sowohl für das dritte Quartal als auch für die ersten neun Monate die höchsten Tourismusumsätze seit Gründung der Republik verzeichnet.
Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy stellte die aktuellen Zahlen bei einer Pressekonferenz im Atatürk-Kulturzentrum in Istanbul vor. Neben den Ergebnissen ging er auf die Auswirkungen internationaler Krisen, die weltweiten Werbekampagnen und die strategischen Schwerpunkte für die kommenden Monate ein.
Höhere Ausgaben pro Übernachtung
Auch die durchschnittlichen Ausgaben der Gäste entwickelten sich positiv. In den ersten neun Monaten stiegen die Ausgaben pro Person und Übernachtung gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent auf 107,70 Dollar. Im dritten Quartal lag der Wert bei 106,90 Dollar.
Ausländische Gäste gaben von Januar bis September durchschnittlich 119,90 Dollar pro Übernachtung aus. Bei im Ausland lebenden türkischen Staatsbürgern waren es 72,20 Dollar.
Knapp 49,2 Millionen Besucher in neun Monaten
Im dritten Quartal begrüßte die Türkei 23,374 Millionen Besucher. Für den Zeitraum von Januar bis September summierte sich die Zahl auf 49,132 Millionen.
Die wichtigsten Herkunftsländer waren Russland, Deutschland und Großbritannien. Aus Russland kamen 5,70 Millionen Gäste, aus Deutschland 5,17 Millionen und aus Großbritannien 3,20 Millionen.
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug im dritten Quartal 10,69 Nächte. Im Neunmonatszeitraum lag sie bei 10,34 Nächten.
„Die Türkei ist eine Insel der Stabilität“
Ersoy verwies auf die schwierigen Bedingungen, unter denen sich der internationale Reiseverkehr in diesem Jahr entwickelt habe. Regionale Konflikte, zunehmende Spannungen und Einschränkungen bei der Nutzung von Lufträumen hätten zu Störungen im internationalen Flugverkehr geführt. Ausgesetzte Verbindungen, geänderte Flugrouten und erschwerte Umsteigemöglichkeiten wirkten sich ebenso auf den Tourismus aus wie die gestiegenen Energiepreise und Flugkosten.
Diese Faktoren beeinflussten nicht nur die Reiseentscheidungen der Urlauber, sondern auch die Kapazitätsplanung der Fluggesellschaften und die Programme der Reiseveranstalter.
„Während sich all diese Entwicklungen in unserer Region abspielen, tritt die Türkei mit ihrer starken staatlichen Struktur, ihrer diplomatischen Handlungsfähigkeit und ihren unter der Führung unseres Präsidenten unternommenen Bemühungen um Frieden und Stabilität als eine Insel der Stabilität hervor“, sagte Ersoy. Dank ihrer internationalen Verkehrsverbindungen, der touristischen Infrastruktur und der Servicequalität könne die Türkei weiterhin Gäste aus aller Welt empfangen.
Breitere Märkte und vielfältigeres Angebot als Schutz vor Krisen
Die Türkei habe in der Vergangenheit bereits zahlreiche Krisen erlebt und deren Auswirkungen auf den Tourismus zu spüren bekommen. Seit 2018 arbeite man deshalb gezielt daran, die Widerstandsfähigkeit der Branche zu stärken, erklärte der Minister.
Eine wichtige Rolle spiele dabei die Türkische Agentur für Tourismusförderung und -entwicklung (TGA), die die internationalen Werbeaktivitäten dauerhaft und systematisch organisiert. Zugleich seien neue Herkunftsmärkte erschlossen und das touristische Angebot erweitert worden.
Neben Kultur und Archäologie gehörten dazu Gastronomie, Sport, Gesundheit, Kongress- und Naturtourismus. Die Vielfalt ermögliche es, auf Veränderungen der Nachfrage flexibler zu reagieren. Wenn die Buchungen in einem Markt zurückgingen, könnten die Aktivitäten in anderen Ländern verstärkt und die Marketingmaßnahmen an die jeweilige Lage angepasst werden, so Ersoy.
Werbung in 74 Ländern mit 7,1 Milliarden Einblendungen
Die internationale Vermarktung der Türkei werde über zahlreiche Kanäle fortgesetzt – von Fernsehsendern und digitalen Plattformen bis hin zu Außenwerbung und globalen Reiseportalen. Nach Angaben des Ministers ist das Land unter anderem bei CNN, BBC, Bloomberg, Euronews, Al Jazeera und Eurosport präsent.
Mit digitalen Kampagnen seien in 74 Ländern insgesamt 7,1 Milliarden Einblendungen erzielt worden.
Auch türkische Fernsehserien würden gezielt für die Tourismuswerbung genutzt. Neue Produktionen rückten unter anderem Kappadokien, Bodrum, den Südosten des Landes, İzmir, Ankara und umliegende Provinzen sowie die östliche Schwarzmeerregion in den Mittelpunkt. Das Format der Mini-Serien werde weiter ausgebaut. Zehn Produktionen aus den Jahren 2025 und 2026 hätten zusammen 10,5 Milliarden Einblendungen erreicht.
Kultur und Archäologie sollen zusätzliche Reiseanreize schaffen
Um die touristische Nachfrage breiter aufzustellen, setze die Türkei auch auf Kultur- und Kunstangebote. Ersoy nannte dabei das Projekt „Erbe für die Zukunft“, die Nachtmuseen und das Kulturstraßenfestival als wichtige Beispiele.
Mit dem Projekt „Erbe für die Zukunft“ würden Ausgrabungen und Restaurierungen vorangetrieben und zugleich die Besuchsmöglichkeiten an archäologischen Stätten verbessert. Die Nachtmuseen ermöglichten es, das kulturelle Erbe auch außerhalb der üblichen Tageszeiten zu erleben. Das Kulturstraßenfestival verbinde das kulturelle Leben der Städte mit touristischen Angeboten.
Ziel sei es, die Nachfrage auf alle 81 Provinzen und das gesamte Jahr zu verteilen. Besucher sollten mehr Städte kennenlernen, länger bleiben und unterschiedliche Angebote nutzen. Davon sollten auch lokale Betriebe, Händler und der Arbeitsmarkt profitieren.
Unterstützung für die Branche und enge Abstimmung mit Fluggesellschaften
Die Regierung stimme Werbe- und Produktentwicklung eng mit den Verkehrsanbietern ab, sagte Ersoy. Insbesondere mit Turkish Airlines, anderen Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern werde regelmäßig über Buchungstrends, Flugpläne und Kapazitätsbedarf gesprochen.
Zudem verwies der Minister auf das Tourismus-Unterstützungspaket, Beschäftigungsförderung und die Senkung der Beherbergungssteuer. Die Maßnahmen sollten den Unternehmen den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern, Arbeitsplätze sichern und ihnen ermöglichen, die Servicequalität aufrechtzuerhalten.
Die enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor sei entscheidend, um auf neue Entwicklungen schnell reagieren zu können.
Neue Märkte und Direktverbindungen im Fokus
Für die kommenden Monate will die Türkei ihre Position in den etablierten Herkunftsmärkten sichern und zugleich das Geschäft in Ländern mit Wachstumspotenzial ausbauen. Dazu zählen insbesondere die USA, Kanada, asiatische und afrikanische Staaten sowie Australien.
Gemeinsam mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern sollen bestehende Kapazitäten gesichert, neue Direktverbindungen geschaffen und zusätzliche Sitzplätze angeboten werden. Die Werbeaktivitäten sollen noch stärker darauf ausgerichtet werden, konkrete Buchungen und Verkäufe zu erzielen.
Auch Datenanalyse und künstliche Intelligenz sollen künftig eine größere Rolle spielen. Damit will das Ministerium die Nachfrage in den einzelnen Märkten, Veränderungen bei den Vorlieben der Reisenden und die Wirkung der Kampagnen genauer beobachten und die verfügbaren Mittel gezielter einsetzen.
Ersoy zeigte sich zuversichtlich, dass die bisherigen Maßnahmen Wirkung entfalten: Die Türkei vertraue auf ihr touristisches Potenzial, die Erfahrung der Branche und die Stärke der Zusammenarbeit, erklärte der Minister.