Die türkische Tourismusmetropole Antalya hat einen neuen Tagesrekord vermeldet. Am 1. August wurden 103.200 ausländische Gäste an den Flughäfen und Grenzübergängen der Region registriert – so viele wie an keinem anderen Tag des Jahres. In den gehobenen Hotelanlagen liegen die Auslastungsquoten derzeit bei 90 bis 95 Prozent.
Trotz dieses beeindruckenden Ansturms bleibt die Gesamtbilanz der Saison durchwachsen. Wie der Vorsitzende des Verbands der professionellen Hotelmanager (POYD), Hakan Saatçioğlu, mitteilte, verzeichnete Antalya in den ersten sieben Monaten des Jahres insgesamt 8,36 Millionen ausländische Besucher. Das entspricht einem Rückgang von rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
„Seit Juli beobachten wir eine deutliche Erholung“, erklärte Saatçioğlu. Der Rekordtag im August und die hohen Auslastungen seien wichtige Indikatoren für die Belebung des Sektors. Dennoch warnte der Branchenvertreter vor voreiligen Schlüssen: „Ein Rekordtag oder eine hohe Auslastung im August macht die Verluste aus den ersten Monaten der Saison nicht wett.“
Sorge trotz voller Betten: Die Profitabilität sinkt
Laut Saatçioğlu ist das zentrale Problem der Branche nicht mehr die schiere Anzahl der Gäste, sondern die Wirtschaftlichkeit. „Die eigentliche Frage ist nicht, ob das Hotel voll ist, sondern zu welchem Preis es voll ist und welche Rentabilität am Saisonende übrig bleibt“, so der POYD-Vorsitzende. Die gestiegenen Betriebskosten in der Türkei – von Personal über Lebensmittel bis hin zu Energie – stünden in keinem Verhältnis zur Entwicklung der Deviseneinnahmen. Diese Kluft zwischen Kosten, Wechselkurs und Einnahmen sei derzeit die größte Herausforderung.
Der Trend zu kurzfristigen Buchungen belastet die Planungssicherheit der Hoteliers zusätzlich. Viele Gäste entscheiden sich erst in letzter Minute, was die Betriebe unter Druck setzt, leerstehende Kapazitäten durch Rabattaktionen zu füllen. „Das erhöht zwar die Auslastung, drückt aber den Durchschnittspreis und damit die Gewinnmarge“, erläuterte Saatçioğlu.
Schwächelnde Kernmärkte: Britische Gäste bleiben aus
Ein genauerer Blick auf die Herkunftsländer zeigt eine ungleiche Entwicklung. Während der russische Markt im Juli im Jahresvergleich um zwei Prozent zulegen konnte, verzeichnete Deutschland in den ersten sieben Monaten einen Rückgang von sechs Prozent. Am stärksten traf es den britischen Markt mit einem Minus von zwölf Prozent. Als Gründe nannte der Verbandschef geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten in den Quellmärkten sowie die anhaltende Inflation in der Türkei.
Saatçioğlu betonte, dass Antalya im internationalen Vergleich nach wie vor wettbewerbsfähig ist. Daten aus dem deutschen Markt zeigen, dass die Türkische Riviera preislich attraktiver ist als einige griechische Inseln oder Mallorca, während Ägypten oft günstigere Pakete anbieten kann. Das Ziel der türkischen Hotellerie sei es jedoch nicht, die billigste Destination zu sein. „Unser Ziel ist es nicht, billig zu sein, sondern dem Gast für sein Geld mehr Gegenwert zu bieten als die Konkurrenz“, so Saatçioğlu.
Mikroplastik: Ein unterschätztes Risiko für die Zukunft
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen richtete der POYD-Vorsitzende den Blick auf ein ökologisches Thema. Die Diskussion um Mikroplastik und Meeresverschmutzung, die an Teilen der Küste aufgetreten ist, hat aktuell noch keine messbaren Auswirkungen auf das Buchungsverhalten der Touristen. Von russischen Reiseveranstaltern seien diesbezüglich keine massiven Beschwerden aus der Region Alanya bekannt.
Dennoch warnte Saatçioğlu eindringlich: „Das Meer ist das wichtigste Kapital des Antalya-Tourismus. Mikroplastik und Meeresverschmutzung dürfen wir nicht nur als Umweltproblem betrachten, sondern müssen sie als touristische Kernfrage verstehen, die direkt mit der Zukunft der Destination verbunden ist.“