Unter dem Druck neuer EU-Transparenzregeln hat der US-Technologieriese Microsoft detaillierte Finanzdaten für seine Auslandstöchter veröffentlicht. Das Besondere daran: Erstmals wird öffentlich, wie viel Umsatz der Konzern in der Türkei macht und wie wenig Steuern er im globalen Vergleich dort zahlt.
Für das am 30. Juni 2025 abgelaufene Geschäftsjahr weist der Konzern für seine türkische Niederlassung einen Umsatz von 114,6 Millionen US-Dollar aus. Der Gewinn vor Steuern belief sich in dem Land auf 31,4 Millionen Dollar. Das geht aus dem Bericht hervor, den der bekannte Technologieanalyst Mehmet Serdar Kuzuloğlu öffentlich machte.
Doch gerade die Steuerquote sorgt für Diskussionen: Obwohl ein Gewinn von über 30 Millionen Dollar ausgewiesen wird, führte Microsoft in der Türkei lediglich 5,37 Millionen Dollar an Ertrag- beziehungsweise Körperschaftsteuer ab. Für das laufende Geschäftsjahr sind zudem Steuerrückstellungen in Höhe von 9,83 Millionen Dollar vermerkt. Die Belegschaft der türkischen Landesgesellschaft ist mit 272 Mitarbeitern überschaubar.
Diese Zahlen sind Teil eines größeren Puzzles, das die aggressive Steuervermeidungsstrategie des Konzerns offenbart. Im Zentrum dieser Architektur steht Irland. Die dortige Tochtergesellschaft, die für das Management geistiger Eigentumsrechte und zentraler Finanzoperationen zuständig ist, vereint mit nur 6.654 Beschäftigten rund 40 Prozent des weltweiten Vorsteuergewinns auf sich. Konkret bedeutet das: Einem irischen Umsatz von 196 Milliarden Dollar stand ein Vorsteuergewinn von 47,1 Milliarden Dollar gegenüber.
Demgegenüber nehmen sich die Gewinne in den großen europäischen Absatzmärkten marginal aus. In Deutschland beispielsweise, wo Microsoft 3.471 Menschen beschäftigt, wurde ein Umsatz von 11,68 Milliarden Dollar erzielt, der ausgewiesene Gewinn vor Steuern betrug jedoch lediglich 661,2 Millionen Dollar. Microsoft begründet diese Diskrepanz mit dem Geschäftsmodell: Die deutschen Aktivitäten konzentrieren sich auf Vertrieb, Marketing, Support und Forschung, während die gewinnträchtigen Softwarelizenzen rechtlich in Irland verortet sind.
Der Fall Luxemburg ist besonders brisant. Mit einer Kleinstbelegschaft von nur 34 Mitarbeitern erwirtschaftete Microsoft dort einen Vorsteuergewinn von 283 Millionen Dollar. Die Gewinnmarge lag bei absurden 142 Prozent, die effektive Steuerquote hingegen bei lediglich rund drei Prozent. In den Hochsteuerländern Deutschland, Frankreich und Italien wies das Unternehmen dagegen nur einstellige Gewinnmargen aus.
Die erstmalige Veröffentlichung der länderspezifischen Daten erfolgt auf Basis der neuen EU-Richtlinie zur öffentlichen länderbezogenen Berichterstattung. Diese zwingt multinationale Konzerne mit einem Umsatz von mehr als 750 Millionen Euro dazu, ihre Steuerzahlungen und Gewinne für jedes Land einzeln offenzulegen. Die nun vorliegenden Zahlen liefern Kritikern, die seit Jahren beklagen, dass Digitalkonzerne ihre Gewinne systematisch in Niedrigsteuer-Oasen verschieben, während die Umsätze in den Hochsteuerländern der EU oder Schwellenländern wie der Türkei anfallen, neue Munition.