Die türkische Steuerverwaltung geht mit ungewöhnlichen Methoden gegen Steuerhinterziehung vor. Im Fokus stehen dabei besonders auffällige Postings in sozialen Medien. Wie die Finanzbehörde (Gelir İdaresi Başkanlığı, GİB) mitteilte, werden Beiträge, die einen exzessiven Luxus-Lebensstil zur Schau stellen, verstärkt überwacht.
Hintergrund dieser Maßnahme ist die Bekämpfung von Schwarzgeld und nicht deklarierten Einkünften. Die Behörde analysiert systematisch Beiträge, in denen teure Konsumgüter, Luxusreisen oder protzige Statussymbole präsentiert werden. Mithilfe von Risikoanalysen wird geprüft, ob der zur Schau gestellte Lebensstil mit den beim Finanzamt angegebenen Einkünften der Person vereinbar ist.
Werden erhebliche Diskrepanzen entdeckt, leitet die Verwaltung reguläre Steuerprüfungen ein. „Wenn zwischen den deklarierten Einkünften und den sichtbaren Ausgaben oder Vermögensindikatoren erhebliche Unterschiede festgestellt werden, werden formelle Steuerkontrollen eingeleitet“, so die GİB.
Die Bilanz des letzten Jahres zeigt die Dimension der Maßnahme: Die Behörde überprüfte 5.559 Hinweise aus der Bevölkerung und eigene Funde. Diese Kontrollen führten zu Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 573 Millionen Türkischen Lira (umgerechnet etwa 13,2 Millionen Euro).
Die Überwachung digitaler Plattformen sei ein fester Bestandteil der Strategie, um die Schattenwirtschaft zu verkleinern und die steuerliche Compliance zu erhöhen, betonte die Behörde. Die Aktion ist Teil einer breiteren Kampagne der türkischen Finanzaufsicht der letzten Jahre. Neben der Steuerverwaltung ist auch die Finanzermittlungsbehörde MASAK zentral eingebunden, um hohe Geldtransaktionen, Geldflüsse und nicht nachvollziehbare Vermögenswerte zu untersuchen.