Eine jahrzehntelange Trockenheit hat die Wasserkraft in der Türkei massiv einbrechen lassen und zwingt das Land zu immer teureren Gasimporten. Wie eine Analyse des Londoner Energie-Thinktanks Ember zeigt, belaufen sich die zusätzlichen Kosten im Jahresdurchschnitt auf 1,8 Milliarden US-Dollar.
Für den „Türkiye Electricity Review 2026“ werteten die Forscher Daten aus einem Zeitraum von 30 Jahren aus. Demnach produzieren die drei größten Staudämme des Landes – Atatürk, Karakaya und Keban – im letzten Jahrzehnt durchschnittlich 29 Prozent weniger Strom als im Referenzzeitraum von 1996 bis 2005, was vor allem auf die anhaltende Dürre zurückzuführen ist.
Den fehlenden Strom ersetzt die Türkei vor allem durch gasbetriebene Kraftwerke. „Das erhöht die Abhängigkeit von Energieimporten“, so die Autoren. Besonders in Trockenjahren und während Energiekrisen schlage die Rechnung noch höher aus.
Solar- und Windkraft wachsen rasant – doch nicht genug
Positiv vermerkt der Report den rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien: Im Jahr 2025 erzeugten Solar- und Windkraftanlagen gemeinsam 22 Prozent des türkischen Stroms. Im Jahr 2023 wurden mit 4,8 Gigawatt (GW) so viele neue Solaranlagen installiert wie nie zuvor. Auch die Windkraft verzeichnete 2025 mit 1,9 GW einen Rekordzubau. Allein in den letzten zwei Jahren hat sich die Solarenergieerzeugung verdoppelt.
Doch das reicht nicht: Mit insgesamt 6,5 GW Zubau bei Wind und Solar verfehlt die Türkei das für 2035 nötige Jahresziel von 8 GW, so Ember.
Batteriespeicher: Türkei überholt EU-Länder
Ein überraschender Befund betrifft die Stromspeicherung: Seit 2022 müssen neue Wind- und Solaranlagen über eine Speicherkapazität in Höhe ihrer eigenen Leistung verfügen. Die dafür genehmigte Batterieleistung summiert sich inzwischen auf 33 GW.
Zum Vergleich: Die EU-Länder mit den größten Batterieprojekten (inklusive geplanter Vorhaben) erreichen zusammen nur 12 bis 13 GW – weniger als die Hälfte des türkischen Wertes. Die geplanten Batterien in der Türkei entsprechen 83 Prozent der bestehenden Wind- und Solarkapazität von 40 GW.