Die Türkei wird immer älter. Der Anteil der über 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist auf 11,1 Prozent gestiegen und hat damit einen neuen Höchststand erreicht. Wie das Statistikamt TÜİK am Mittwoch mitteilte, setzt sich der demografische Wandel damit ungebrochen fort. Noch im Jahr 2020 hatte der Anteil der Senioren bei 9,5 Prozent gelegen.
Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Mehr als die Hälfte der älteren Bevölkerung ist weiblich. Laut den Daten machen Frauen 55,3 Prozent der über 65-Jährigen aus, während es bei den Männern lediglich 44,7 Prozent sind. Dies spiegelt sich auch in den Lebensumständen wider: Fast drei Viertel der 1,8 Millionen Senioren, die allein leben, sind Frauen. Insgesamt lebt in jedem vierten Haushalt im Land mindestens eine ältere Person.
Trotz der zunehmenden Singularisierung sind familiäre Bindungen weiterhin stark ausgeprägt. Mehr als jeder dritte ältere Mensch (37,9 %) lebt mit mindestens einem seiner Kinder im selben Haushalt, viele weitere wohnen in unmittelbarer Nähe.
Das Altern der Gesellschaft lässt sich auch am sogenannten Medianalter ablesen, das die Bevölkerung in zwei gleich große Gruppen teilt. Dieser Wert stieg innerhalb von nur fünf Jahren von 32,7 Jahren im Jahr 2020 auf 34,9 Jahre im laufenden Jahr. Die landesweite Lebenserwartung bei Geburt liegt bei 78,1 Jahren, wobei Frauen im Durchschnitt älter werden als Männer.
Regional zeigen sich dabei enorme Unterschiede: So weist die Schwarzmeerprovinz Sinop mit 21,7 Prozent den höchsten Anteil an Senioren auf, während die südöstliche Provinz Şırnak die Hochburg der Jugend ist. In 62 der 81 türkischen Provinzen liegt der Seniorenanteil mittlerweile über der Zehn-Prozent-Marke, die in der Demografie als Indikator für eine alternde Gesellschaft gilt.
Trotz des steigenden Wohlstands in Teilen der Gesellschaft bleibt die Altersarmut ein drängendes Problem. Laut den Lebensbedingungenstatistiken sind 22,8 Prozent der älteren Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Gleichzeitig holen die Senioren technologisch auf: So hat sich die Internetnutzung in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen seit 2020 nahezu verdoppelt und erreicht nun 53,2 Prozent. Dabei sind Männer deutlich aktiver als Frauen.