Während viele Staaten zunehmend auf nationale Abschottung setzen, verfolgt Schweden nach eigenem Bekunden eine andere Strategie. In einem gemeinsamen Gastbeitrag werben die schwedische Botschafterin in Ankara, Malena Mård, und die Generalkonsulin in Istanbul, Karin Hernmarck, für ein Modell der internationalen Zusammenarbeit, das sie als „Made with“ bezeichnen. Es sei ein Bekenntnis zur Gegenseitigkeit, bei dem beide Seiten gleichberechtigt zusammenbrächten, was sie allein nicht erreichen könnten.
Die skandinavische Nation mit rund zehn Millionen Einwohnern sei darauf angewiesen, grenzüberschreitend zu denken, so die Diplomaten. Zentrale Erfindungen wie Bluetooth, der Herzschrittmacher oder der Dreipunkt-Sicherheitsgurt seien schließlich nicht hinter verschlossenen Türen entstanden, sondern in einer Kultur des offenen Austauschs. Diese Philosophie übertrage sich auch auf die Partnerschaft mit der Türkei.
Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder reichen demnach tief in die Geschichte zurück. Bereits 1738 haben schwedische Unternehmen in die Türkei investiert. Ein besonders langlebiges Beispiel ist Ericsson: Das Unternehmen installierte 1890 im Dolmabahçe-Palast in Istanbul eine Telefonleitung, die bis heute in Betrieb ist. Heute spielt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Ericsson in der Türkei eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von 5G- und 6G-Technologien.
Aktuell beschäftigen schwedische Firmen in der Türkei mehr als 60.000 Menschen in Bereichen wie der Automobilindustrie, der Textilindustrie, der Produktion von Industriegütern und der Elektronikindustrie. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern wächst kontinuierlich und erreichte 2025 rund vier Milliarden US-Dollar.
Mård und Hernmarck nennen die Eröffnung einer neuen Fabrik des Lüftungsspezialisten Systemair in Dilovası nahe Kocaeli als jüngstes Beispiel für gemeinsame Projekte. Es handelt sich um die erste Fabrik in der Türkei, die mit einer LEED-Gold-Zertifizierung ausgezeichnet wurde.
Neben der Wirtschaft rücken auch Wissenschaft und Kultur in den Fokus. So arbeiten Forscher der Universität Istanbul und der Königlichen Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm an nachhaltigen, biobasierten Materialien. Diese Zusammenarbeit hat bereits zu mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen geführt und EU-Fördermittel eingeworben. Im Kulturbereich tragen schwedische Plattformen wie Spotify oder Storytel dazu bei, türkische Künstler einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Umgekehrt finden türkische Musik- und Filmproduktionen über gemeinsame Koproduktionen den Weg nach Schweden.
„Wir sagen nicht ‚Made in‘, sondern ‚Made with‘“, betonen die Autorinnen. Echter Mehrwert – sei es eine Innovation, ein Arbeitsplatz oder ein Forschungsdurchbruch – entstehe dort, wo gemeinsam gebaut wird. Diese Botschaft richtet sich sowohl an Investoren als auch an Fachkräfte: Man wolle Talente anziehen und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie mit schwedischen Forschern und Institutionen zusammenarbeiten. Eine Welt, in der jeder versucht, allein voranzukommen, wird ärmer, langsamer und unsicherer.
Das nächste Kapitel soll daher unter dem Motto „Made with Sweden & Türkiye“ stehen, so Mård und Hernmarck. „Team Sweden“ sei bereit, es gemeinsam zu schreiben.