Schluss mit versteckten Gebühren: Türkei reguliert Essenslieferdienste

12.03.2026 – 12:00 Uhr

Die türkische Regierung geht gegen intransparente Preisgestaltung bei Online-Essenslieferdiensten vor. Das Handelsministerium in Ankara hat eine Verordnung erlassen, die Lieferplattformen wie Yemeksepeti oder Getir künftig dazu verpflichtet, sämtliche Kosten transparent auszuweisen. Ziel ist es, sowohl für Restaurants als auch für Verbraucher für mehr Transparenz zu sorgen und „versteckte Gebühren“ abzuschaffen.

Hintergrund dieser Maßnahme ist eine Flut von Beschwerden aus der Gastronomie und von Kundenseite. Viele Betreiber von Lokalen beklagten sich über hohe Provisionsforderungen sowie komplexe und schwankende Kostenmodelle der Vermittlungsplattformen. Bislang war für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar, welche Gebühren tatsächlich anfielen, etwa für Provisionen, Werbekosten, Lieferdienste oder die reine Nutzung der technischen Infrastruktur.

Transparenz für alle

Die neuen Regeln greifen tief in die Geschäftsmodelle der Plattformen ein. Künftig müssen in den Verkaufs-Dashboards für die Restaurantbetreiber alle anfallenden Kosten klar aufgelistet werden. Auch die Kundinnen und Kunden erhalten auf dem Bestellbildschirm eine detaillierte Aufschlüsselung der Gebühren, sodass sie genau sehen können, welche Kosten im Endpreis enthalten sind.

Besonders brisant ist, dass die Verordnung willkürliche Gebühren unter Bezeichnungen wie „Kerndienstleistungen“ verbietet. Basisservices wie die Annahme der Bestellung, deren Weiterleitung an das Restaurant, die Zahlungsabwicklung oder die Auftragsverwaltung dürfen nicht mehr separat in Rechnung gestellt werden.

Neue Berechnung der Provision

Auch die Provisionsberechnung wird neu geregelt. Wird ein Gericht zum gelisteten Vollpreis verkauft, berechnet sich die Provision der Plattform auf Basis dieses ursprünglichen Preises. Gewährt ein Restaurant hingegen einen Rabatt, wird die Provision künftig auf Grundlage des vom Kunden tatsächlich gezahlten Endbetrags berechnet. Dadurch sollen Anreize für faire Preise geschaffen werden.

Die türkischen Essenslieferplattformen haben bis zum 1. April Zeit, ihre Systeme umzustellen. Die neuen Transparenzanforderungen müssen bis zum 1. April umgesetzt sein. Branchenbeobachter rechnen damit, dass es auch in anderen Ländern zu ähnlichen Diskussionen kommen wird, da die Beschwerden über die Gebührenpolitik der großen Lieferdienste international zunehmen.