Rekordabsatz, magere Gewinne: Autobauer in der Türkei geraten unter die Räder

03.03.2026 – 6:30 Uhr

Noch nie wurden in der Türkei so viele Neuwagen gekauft wie im Jahr 2025: Mit einem Plus von 10,49 Prozent kletterte der Absatz auf über 1,3 Millionen Fahrzeuge – ein historischer Höchststand. Doch die goldene Bilanz der Autohäuser trügt: Während die Verkaufszahlen durch die Decke gingen, blieb das Geld in den Kassen der Hersteller aus.

Eine Auswertung der sechs führenden, an der Borsa Istanbul notierten Automobilunternehmen zeigt ein paradoxes Bild. Trotz des Booms am Markt brachen ihre gemeinsamen Nettogewinne im Jahresvergleich um dramatische 37,4 Prozent auf nur noch 44,6 Milliarden Türkische Lira ein. Im Vorjahr hatte die Summe der Gewinne von Branchengrößen wie Doğuş Otomotiv, Ford Otosan oder Tofaş noch bei über 71 Milliarden Lira gelegen.

Milliardenschwere Gewinneinbußen bei Branchenriesen

Die Kehrseite der Rekord-Verkäufe offenbart sich in den Geschäftsbüchern der Konzerne. Als Hauptgründe für die geringere Profitabilität gelten der härtere Wettbewerb im Inland, gestiegene Kosten für importierte Fahrzeuge und Teile sowie die teure Transformation zur Elektromobilität, durch die die Margen schrumpfen. Hinzu kommen höhere Finanzierungsausgaben und der Wegfall einmaliger Steuereffekte, die die Bilanzen im Jahr 2024 noch geschönt hatten.

Besonders hart traf es den Traktorenhersteller Türk Traktör. Das Unternehmen verbuchte einen Gewinnrückgang von 93,9 Prozent und erzielte nur noch einen Gewinn von 455 Millionen Lira. Auch der Vertriebsgigant Doğuş Otomotiv musste einen herben Rückschlag hinnehmen. Die Erlöse brachen um 69,2 Prozent auf drei Milliarden Lira ein. Der Nutzfahrzeughersteller Ford Otosan, ein Schwergewicht der Branche, verzeichnete mit 33,9 Milliarden Lira ein Minus von 33,1 Prozent. Ein Grund hierfür ist, dass ein positiver Steuereffekt aus dem Vorjahr wegfiel und sich 2025 in eine Steuerlast von rund 4,4 Milliarden Lira verwandelte.

Nur zwei Gewinner in der Krise

Während die meisten Konzerne Federn lassen mussten, ist es zwei Unternehmen gelungen, die Trendwende zu schaffen. So steigerte der Automobilhersteller Tofaş seinen Gewinn um 22,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Lira. Der kriselnde Busproduzent Karsan Otomotiv konnte seine Bilanz sogar um 74,6 Prozent auf 179 Millionen Lira verbessern. Otokar wiederum gelang es, seinen Verlust von vier Milliarden Lira im Vorjahr auf 1,4 Milliarden Lira deutlich zu reduzieren.