Die Türkei zählt im aktuellen Vergleich der Industrieländer zu den absoluten Spitzenreitern beim Anstieg der Reallöhne. Wie aus dem neuen „Beschäftigungsausblick 2026” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht, verzeichnete die Türkei sowohl im jüngsten Quartal als auch über die vergangenen fünf Jahre hinweg eine der stärksten Entwicklungen unter den Mitgliedstaaten.
Im ersten Quartal 2026 stiegen die preisbereinigten Bruttolöhne in der Türkei demnach durchschnittlich um 7,1 Prozent. Damit belegte das Land im OECD-Ranking den zweiten Platz. Der Mittelwert aller OECD-Länder lag im selben Zeitraum mit 2,2 Prozent deutlich niedriger.
Noch markanter fällt der langfristige Vergleich aus: In der Fünfjahresperiode vom ersten Quartal 2021 bis zum ersten Quartal 2026 summierte sich der kumulierte Reallohnzuwachs in der Türkei auf durchschnittlich 78,6 Prozent. Die OECD-Länder kamen im selben Zeitraum zusammengenommen nur auf ein Plus von 4,9 Prozent. Das türkische Lohnwachstum übertrifft den OECD-Schnitt damit um das Sechzehnfache. Kein anderes OECD-Land erreichte eine ähnlich hohe kumulierte Steigerung.
In ihrem Bericht konstatierte die OECD zudem, dass sich die Arbeitsmärkte der Mitgliedstaaten zwar weiterhin robust zeigen, sich aber erste Anzeichen einer Abschwächung bemerkbar machen. Regionale Unterschiede prägten die Beschäftigungs- und Einkommenschancen dabei weiterhin erheblich.
Trotz der jüngsten Erholung der Reallöhne seien die Einkommensverluste aus der Hochinflationsphase des Jahres 2022 in vielen Ländern noch immer nicht vollständig wettgemacht, so der Bericht. Als wesentliche Bremsfaktoren für die Lohnentwicklung identifizierte die OECD die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt, ein verlangsamtes Produktivitätswachstum sowie anhaltende geopolitische Unsicherheiten.