ISTANBUL – Die zunehmende Konkurrenz im türkischen Einzelhandel durch aggressive Werbeaktionen verändert das Konsumverhalten der Haushalte deutlich. Markenprodukte gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung, während Eigenmarken und unverpackte Waren an Boden verlieren.
Laut Daten von Ipsos Türkiye liegt der Anteil von Markenartikeln am Haushaltskonsum inzwischen bei fast 60 Prozent, vor allem getrieben durch Rabattaktionen und Sonderangebote. Gleichzeitig belasten geldpolitische Maßnahmen zur Eindämmung der Inflation und Kontrolle der Inlandsnachfrage den Einzelhandel. Haushalte verschieben demnach Ausgaben für Elektronik, Kleidung und Schuhe, während das Wachstum bei Lebensmitteln zeitweise stagniert. Dies hat die Häufigkeit von Promotions weiter beschleunigt, da Händler ihre Verkaufsvolumina sichern wollen.
Ipsos Türkiye-CEO Sidar Gedik betonte, dass Haushalte 2025 36 von 100 Lira in Discountmärkten ausgaben, die damit weiterhin die höchste Einkaufsfrequenz aufweisen. Lokale Ladenketten wuchsen überdurchschnittlich und zählen zu den Gewinnern des Jahres, während Supermärkte und kleine Nachbarschaftsläden Marktanteile verloren.
Die steigende Preissensibilität führt zudem dazu, dass Haushalte ihre Einkäufe auf mehrere Kanäle verteilen – ein Zeichen für die zunehmende Fragmentierung des Einzelhandels.
Daten des türkischen Statistikamts TÜİK zeigen außerdem, dass Konsumgüter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel nur begrenztes Wachstum verzeichnen, während Non-Food-Bereiche wie Kosmetik stark zulegen.
Gedik wertet diesen Trend als Ausdruck des sogenannten „New Nihilism“, den Ipsos Global Trends beschreibt: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten werden größere Anschaffungen verschoben, während verfügbares Einkommen für kleinere, sofortige Genussausgaben genutzt wird. Konsum verschiebt sich demnach von Haushaltsbedarfen hin zu persönlichen Vergnügungen.