Planet im Fieber: UN melden Rekordwerte bei Klima-Kipppunkten

24.03.2026 – 6:35 Uhr

Die Erde hat im Jahr 2025 so viel Wärme eingefangen wie nie zuvor – und die Menschheit wird laut UN-Angaben noch Jahrtausende mit den Folgen leben müssen. Wie die Weltwetterorganisation (WMO) in ihrem am Montag veröffentlichten Klimabericht mitteilte, war jedes der elf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen zwischen 2015 und 2025.

Erstmals bezifferten die Expertinnen und Experten darin die sogenannte Energieungleichgewichtsbilanz des Planeten, also das Verhältnis zwischen einstrahlender Sonnenenergie und abgestrahlter Wärme. Dieses Gleichgewicht gerät durch die steigenden Konzentrationen von Treibhausgasen wie CO₂, Methan und Lachgas zunehmend aus der Balance. Die Werte dieser Gase sind auf den höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren gestiegen.

„Die Erde wird über ihre Grenzen hinausgedrängt. Jeder wichtige Klimaindikator zeigt Rot“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. „Wenn sich die Geschichte elfmal wiederholt, ist das kein Zufall mehr, sondern ein Aufruf zum Handeln.“

Ozeane heizen sich doppelt so schnell auf

Besonders alarmierend ist demnach die Entwicklung der Meere: Mehr als 91 Prozent der überschüssigen Wärme werden im Ozean gespeichert. Dessen Wärmegehalt erreichte im Jahr 2025 einen neuen Rekord. Die Erwärmungsrate hat sich im Zeitraum von 2005 bis 2025 im Vergleich zu den vier Jahrzehnten zuvor mehr als verdoppelt.

Die Folgen sind bereits messbar: So lag der globale mittlere Meeresspiegel im Jahr 2025 etwa elf Zentimeter höher als zu Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1993. Sowohl die antarktischen als auch die grönländischen Eisschilde verlieren demnach massiv an Masse und die jährliche durchschnittliche Ausdehnung des arktischen Meereises war im Jahr 2025 die niedrigste oder zweitniedrigste seit Beginn der Satellitenära.

„Die menschlichen Aktivitäten stören zunehmend das natürliche Gleichgewicht – und wir werden mit diesen Konsequenzen noch Hunderte und Tausende von Jahren leben müssen“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo.

Gemischte Aussichten für die nächsten Jahre

Das Jahr 2025 war mit etwa 1,43 °C über dem vorindustriellen Mittel (1850–1900) das zweit- oder drittwärmste Jahr seit Messbeginn. Der Rekordhalter bleibt jedoch das Jahr 2024 mit einer Abweichung von 1,55 Grad.

Laut dem Wissenschaftler John Kennedy steht das Wettergeschehen weiterhin unter dem Einfluss von La Niña, einem natürlichen Klimaphänomen, das kühlende Effekte im Pazifik verursacht. Für Mitte 2026 werden neutrale Bedingungen erwartet, mit der Möglichkeit eines Übergangs in das wärmende Gegenstück El Niño bis zum Jahresende. „Dann werden wir wahrscheinlich wieder erhöhte Temperaturen im Jahr 2027 sehen”, sagte Kennedy.

Die stellvertretende WMO-Direktorin Ko Barrett sprach von einem „düsteren Bild“. Die Organisation liefere die wissenschaftlichen Belege in der Hoffnung, dass diese Informationen die Menschen zum Handeln bewegen. Es sei jedoch nicht zu leugnen, dass sich die Indikatoren nicht in eine hoffnungsvolle Richtung bewegten.

Guterres verband die Klimadaten mit geopolitischen Konflikten: „Im Zeitalter der Kriege legt der Klimastress eine weitere Wahrheit offen: Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen destabilisiert sowohl das Klima als auch die globale Sicherheit.“