Die Länder Osteuropas entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Absatzmarkt für die türkische Bekleidungsindustrie. Während die Nachfrage in traditionellen europäischen Kernmärkten Anzeichen einer Abschwächung zeigt, setzen türkische Exporteure verstärkt auf eine geografische Diversifizierung ihrer Ausfuhren.
Das geht aus einem Bericht des türkischen Verbands der Bekleidungshersteller (TGSD) mit dem Titel „Axis Shift in Global Ready-to-Wear and Textile Trade“ hervor. Demnach wächst der Druck auf die Branche, neue Märkte außerhalb der Europäischen Union stärker in den Fokus zu rücken.
Im ersten Quartal 2026 erzielte die türkische Ready-to-Wear-Industrie Exporte in Höhe von 4,28 Milliarden US-Dollar. Zwar bleibt die EU weiterhin der wichtigste Absatzmarkt, doch schwächere wirtschaftliche Signale aus der Region sorgen für zunehmende Anpassungen in der Exportstrategie.
Rückgänge in Westeuropa, Wachstum in neuen Märkten
Laut TGSD gingen die Exporte in die EU im ersten Quartal um 9,2 Prozent zurück. Besonders deutlich waren die Rückgänge in wichtigen Einzelmärkten wie Deutschland und Italien mit jeweils rund 16 Prozent sowie im Vereinigten Königreich.
Gleichzeitig verzeichneten alternative Märkte deutliche Zuwächse. Exporte in den Irak stiegen um 22,8 Prozent, während Lieferungen in Länder des ehemaligen Ostblocks um 25 Prozent zunahmen.
Strukturwandel im globalen Handel
Der Bericht zeigt zudem langfristige Veränderungen im globalen Bekleidungssektor. Der Anteil der Türkei an den weltweiten Ready-to-Wear-Exporten sank in den vergangenen 19 Jahren von 4 auf 3 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil an den weltweiten Importen im selben Zeitraum von 0,3 auf 0,8 Prozent.
Im Textilsektor entwickelte sich die Türkei hingegen positiver: Der Anteil an den globalen Textilexporten stieg von 2,6 Prozent im Jahr 2006 auf 3,5 Prozent im Jahr 2025.
Globale Konkurrenz verschärft sich
Während China im Bereich der Bekleidungsexporte Marktanteile verliert, profitieren Länder wie Bangladesch und Vietnam von der Verschiebung globaler Lieferketten. Der TGSD-Bericht betont, dass viele große Produzenten ihre Exporte steigern konnten, während die Türkei bislang nicht im gleichen Maß von dieser Entwicklung profitiert.
Insgesamt zeigt sich: Während traditionelle Märkte unter Druck stehen, gewinnen Osteuropa, der Irak und weitere alternative Zielregionen für die türkische Bekleidungsindustrie zunehmend an Bedeutung.