Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für die Türkei nach unten korrigiert. In dem am Mittwoch veröffentlichten Zwischenbericht „Umgang mit aufeinanderfolgenden Schocks” wird ein Wirtschaftswachstum von lediglich 2,7 Prozent für dieses Jahr prognostiziert.
Im Juni hatte die Organisation noch eine günstigere Entwicklung vorhergesagt. Für das Jahr 2027 erwartet die OECD ein Wachstum von 3,6 Prozent, was einer Abwärtskorrektur um 0,2 Prozentpunkte entspricht. Im vergangenen Jahr war die türkische Wirtschaft noch um 3,7 Prozent gewachsen.
Trotz der gedämpften Aussichten rechnet die OECD damit, dass sich der Desinflationsprozess in der Türkei fortsetzt. Die Inflationsrate soll in diesem Jahr bei 31,5 Prozent liegen und bis 2027 auf 24,7 Prozent sinken. Als Belastung wirken jedoch steigende Energie- und Düngemittelpreise.
Globale Konjunktur bleibt fragil
Die OECD erwartet für die Weltwirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 2,9 Prozent – eine leichte Aufwärtskorrektur um 0,1 Prozentpunkte gegenüber der Prognose vom Juni. Für das Jahr 2027 wurde die Erwartung hingegen auf 3,0 Prozent gesenkt.
Die globale Konjunktur bleibt nach Einschätzung der Experten anfällig für geopolitische Risiken, insbesondere im Nahen Osten. Hohe Raffineriemargen aufgrund von Produktionsengpässen belasten die Verbraucherpreise und die Kosten der Unternehmen. Auch extreme Wetterbedingungen treiben die Preise für Energie und Agrarprodukte in die Höhe.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch anhaltende Änderungen in der Handelspolitik, zu denen Zölle und Exportbeschränkungen gehören. In vielen Volkswirtschaften sind die langfristigen Zinssätze auf den höchsten Stand seit mindestens 15 Jahren gestiegen. Dies ist auf langfristige fiskalische Risiken und wachsende Bedenken wegen der umfangreichen Anleiheemissionen von KI-Unternehmen zurückzuführen.
Inflation zieht kurzfristig an
Die OECD erwartet, dass die globale Inflation kurzfristig anzieht, bevor sie im Jahr 2027 allmählich nachlässt. Sinkende Energiepreise und eine straffere Geldpolitik dürften die Preisdynamik dämpfen. Die Organisation warnt jedoch vor „erheblicher Unsicherheit” angesichts möglicher Entwicklungen auf den Energiemärkten. Je nach Dauer von Angebotsunterbrechungen und dem geopolitischen Verlauf könnten Zentralbanken zu weiteren geldpolitischen Anpassungen gezwungen sein.
USA und Eurozone verhalten, Indien an der Spitze
Für die USA prognostiziert die OECD ein Wachstum von 2,2 Prozent in diesem Jahr und 2,1 Prozent für 2027, für die Eurozone jeweils 1,0 Prozent für die Jahre 2026 und 2027. China wird ein Plus von 4,5 bzw. 4,2 Prozent vorhergesagt.
Die höchste Wachstumsrate weltweit erwartet die OECD mit 7,8 Prozent in Indien, gefolgt von Indonesien mit 5,2 Prozent. Die stärkste Schrumpfung mit minus 1,8 Prozent wird für Saudi-Arabien vorhergesagt – eine drastische Abwärtskorrektur um 5 Prozentpunkte gegenüber Juni. Grund dafür sind die sinkende Ölproduktion und -exporte des Königreichs nach dem Krieg.