Die Türkei hat im aktuellen Zyklus der PISA-Studie 2025 nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Andreas Schleicher, der OECD-Direktor für Bildung und Kompetenzen, bezeichnete die Ergebnisse in einer Videobotschaft an die türkische Bildungsgemeinschaft als „Erfolgsgeschichte“, die weltweit Beachtung verdiene.
Laut Schleicher gehört die Türkei zu den wenigen Bildungssystemen, in denen sich die Schülerleistungen in allen drei Kernbereichen – Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften – zwischen 2022 und 2025 verbessert haben. Zudem sei der Anteil leistungsschwacher Schüler:innen seit 2015 deutlich zurückgegangen. Laut Schleicher zeige diese Entwicklung, dass mehr junge Menschen grundlegende Kompetenzen für lebenslanges Lernen und künftige Chancen erhielten.
Der OECD-Bildungsdirektor betonte, die Resultate seien nicht das Ergebnis eines einzelnen erfolgreichen Jahres. Die Türkei sei ein Schulsystem, das sich „wirklich in Bewegung“ befinde. Er verwies auch auf die zunehmend positive Wahrnehmung der Lernumgebung und der Lehrkräfte durch die Schülerinnen und Schüler. Laut PISA-Daten gaben sieben von zehn Schülern an, dass ihre Lehrkräfte großes Interesse an ihrem Lernen zeigen, Inhalte so lange erklären, bis sie verstanden werden, und bei Bedarf zusätzliche Unterstützung bieten.
Als weitere ermutigende Zeichen nannte Schleicher die Neugier, Ausdauer und die Überzeugung der Schüler, ihre Fähigkeiten durch Anstrengung, Rückmeldung und Übung verbessern zu können. Die türkischen Schüler nutzen digitale Technologien, einschließlich KI, mit Begeisterung. Bemühungen, den Mangel an Geräten zu beheben, könnten dieses Potenzial in einen Vorteil verwandeln. Schleicher warnte jedoch, dass Technologie letztlich dazu dienen solle, Lernende leistungsfähiger zu machen, statt Prozesse nur zu erleichtern.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen eine deutliche Verschiebung zwischen öffentlichen und privaten Schulen in der Türkei. Öffentliche Schulen schnitten in allen drei Kernbereichen der PISA-Studie besser ab als private Schulen.
Laut einem Bericht des Bildungsministeriums erzielten öffentliche Schulen im PISA-Durchgang 2025 im Durchschnitt 497 Punkte in den Naturwissenschaften, 475 Punkte im Bereich Lesen und 464 Punkte in Mathematik.
In den Naturwissenschaften lagen öffentliche Schulen 22 Punkte vor privaten Schulen. Sie übertrafen zudem den OECD-Durchschnitt von 482 Punkten, während private Schulen sieben Punkte darunter blieben.
Im Lesen führten öffentliche Schulen mit 475 zu 449 Punkten ebenfalls. Ihr Durchschnitt lag 14 Punkte über dem OECD-Mittel von 461 Punkten. Private Schulen blieben 26 Punkte hinter dem Wert der öffentlichen Schulen zurück. Im Jahr 2022 hatten die Werte bei 458 bzw. 448 Punkten gelegen.
In Mathematik erreichten öffentliche Schulen 464 Punkte und lagen damit einen Punkt über dem OECD-Durchschnitt von 463 Punkten. Private Schulen erzielten 444 Punkte. Im Jahr 2022 hatten öffentliche Schulen 455 Punkte erzielt, private Schulen 447 Punkte.
Der Vorsprung setzte sich auch im Bereich der computergestützten Problemlösung von PISA 2025 fort: Hier übertrafen öffentliche Schulen private Schulen um 22 Punkte.
Schleicher sagte, die Aufgabe bestehe nun darin, diesen Fortschritt zu sichern und sicherzustellen, dass jedes Kind davon profitiere. „Die wertvollste natürliche Ressource der Türkei ist das Talent, die Vorstellungskraft und das Potenzial, das heute in Ihren Klassenzimmern sitzt”, so der OECD-Bildungsdirektor.