Notenbankchef Karahan warnt vor Energie- und Lebensmittelpreisen als Inflationsrisiko

14.08.2026 – 11:00 Uhr

Trotz eines leichten Rückgangs der Verbraucherpreise hält die türkische Zentralbank eisern an ihrem strikten geldpolitischen Kurs fest. Bei der Vorstellung des vierteljährlichen Inflationsberichts in Ankara warnte Notenbank-Gouverneur Fatih Karahan am 13. August eindringlich vor verfrühter Entwarnung: Volatile Energiemärkte und hartnäckig hohe Lebensmittelkosten bedrohten den eingeschlagenen Pfad der Geldentwertung.

Zuvor hatte das Statistikamt TÜİK für Juli eine leichte Entspannung gemeldet. Die jährliche Inflationsrate sank von 32,11 Prozent im Juni auf 31,75 Prozent. Auch der monatliche Preisanstieg fiel mit 1,78 Prozent moderater aus als von Analysten erwartet.

Doch Karahan dämpfte die Hoffnung auf eine rasche Lockerung der Geldpolitik. „Die geopolitischen Entwicklungen, die den Inflationsprozess in diesem Jahr geprägt haben, bleiben seit dem Bericht im Mai äußerst volatil“, erklärte der Notenbankchef. Man beobachte die Auswirkungen dieser Unsicherheiten auf die Inflationsaussichten proaktiv.

Konkret verwies Karahan auf die jüngsten Turbulenzen an den Energiemärkten. Nach einer kurzen Entspannung im Juni, die durch eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran ausgelöst wurde, seien die Risiken durch neue Kriegsnachrichten und die ungewisse Aussicht auf neue Abkommen wieder sprunghaft gestiegen. Die Folge: Die Energiepreise zogen im Juli erneut an. „Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich diese Effekte bis in den August hinein fortsetzen“, so Karahan.

Als zweite zentrale Baustelle identifizierte der Gouverneur die Lebensmittelpreise. Obwohl sich die landwirtschaftliche Produktion insgesamt verbessert hat, hat sich die Schere bei den Nahrungsmittelpreisen zuletzt sogar vergrößert. Laut TÜİK lagen die Kosten für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Juli um 37,53 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Karahan führte dies unter anderem auf frühere Schocks bei den Energie- und Petrochemiepreisen zurück. Diese hätten die Kosten für Konsumgüter im zweiten Quartal in die Höhe getrieben.

Trotz dieser externen Belastungen sieht die Notenbank ihre harte Linie der vergangenen Monate als Erfolg. Die straffe Geldpolitik habe die Binnennachfrage spürbar gedämpft. Die Kerninflation, bei der schwankungsanfällige Posten wie Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, lag im Juli im Jahresvergleich bei 29,91 Prozent. „Die Verlangsamung des Konsums war ein wichtiger Faktor, um den Anstieg der Kerninflation zu begrenzen”, betonte Karahan. Besonders im Dienstleistungssektor, etwa bei Mieten und Bildung, sei eine allmähliche Abschwächung zu beobachten.

Die Zentralbank bestätigte unterdessen ihre ambitionierten Langfristziele. Demnach soll die Inflation zum Jahresende 2026 auf 26 Prozent sinken, 2027 15 Prozent erreichen und 2028 wieder in den einstelligen Bereich zurückkehren. Ob dieser Zeitplan angesichts der globalen Unsicherheiten realistisch ist, ließ Karahan offen, signalisierte aber unmissverständlich, dass die Leitzinsen vorerst hoch bleiben werden.