Neue Solar-Regel: Türkei zwingt Hausbesitzer zur Energiewende

27.02.2026 – 6:35 Uhr

Die Türkei verschärft ihre Anforderungen an die Energieversorgung von Gebäuden und treibt damit den Ausbau der dezentralen Solarstromnutzung voran. Eine Novelle der Bauregulationsverordnung verpflichtet Eigentümer größerer Immobilien künftig dazu, einen signifikanten Teil ihres Strombedarfs selbst aus erneuerbaren Quellen zu decken. Dieser Schritt soll die Energiewende endgültig in den Alltag der Bürger tragen.

Konkret müssen Neubauten und Bestandsgebäude mit einer Gesamtbaufläche von mehr als 2.000 Quadratmetern seit dem vergangenen Jahr mindestens zehn Prozent ihres Stromverbrauchs aus Fotovoltaikanlagen oder Wärmepumpen beziehen. Wie aus der aktualisierten Verordnung des Umweltministeriums hervorgeht, wurde die Quote damit im Vergleich zur vorherigen Regelung von fünf Prozent verdoppelt. Diese Maßnahme ist Teil der nationalen Strategie, bis 2053 klimaneutral zu werden und gleichzeitig die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren.

Privathaushalte erhalten zwar keine direkten staatlichen Zuschüsse für die Installation von Solarmodulen auf dem eigenen Dach, die neue Regelung eröffnet jedoch andere finanzielle Vorteile. In Mehrfamilienhäusern können die Kosten für den gemeinschaftlich erzeugten Strom nun direkt mit den Nebenkosten verrechnet werden. Zudem bieten einige Banken spezielle „grüne” Darlehen an, die die Anschaffung erleichtern sollen. Deutlich umfassendere Förderprogramme gibt es bereits für landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe, in denen Solaranlagen beispielsweise für den Betrieb von Bewässerungspumpen oder Kühlhäusern genutzt werden.

Experten begrüßen den Kurswechsel als längst überfällig. „Die Energiewende wird nur gelingen, wenn sie nicht nur auf wenigen Großprojekten fußt, sondern von der breiten Bevölkerung mitgetragen wird“, sagte Ozan Erdinç von der Fakultät für Elektrotechnik der Technischen Universität Yildiz. Das Prinzip „lokal erzeugen, lokal verbrauchen” entlastet zudem die überregionalen Stromnetze und senkt die Übertragungsverluste erheblich.

Die praktische Umsetzung gestaltet sich jedoch als bürokratischer Prozess, der Geduld erfordert. Wie Muhammet Raşit Akyol, der Vorsitzende des Unternehmens Sunera, das im Bereich der erneuerbaren Energien tätig ist, erläutert, beginnt die Installation mit einer Bedarfsanalyse. Anschließend muss ein detaillierter Projektplan beim örtlichen Netzbetreiber eingereicht werden. Erst nach dessen Genehmigung erfolgt die Montage der Paneele und Wechselrichter. „Die reine Bearbeitungszeit der Anträge beträgt in der Regel zwei bis drei Monate, die Installation selbst dauert dann etwa zwei bis drei Wochen”, so Akyol.

Für den Normalhaushalt empfiehlt die Branche eine Anlage mit etwa fünf Kilowatt Leistung. Je nach Sonneneinstrahlung kann diese in der Türkei rund 8.000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen – genug, um den Durchschnittsverbrauch eines Haushalts zu decken. Überschüssiger Strom wird dabei nicht vergütet, sondern über ein sogenanntes Nettosystem mit dem Netzbetreiber verrechnet. Eingespeister Strom wird vom Verbrauch abgezogen, sodass die Jahresrechnung theoretisch auf nahezu Null sinken kann.