Neue Ölpreis-Schockwelle: Türkische Zentralbank warnt vor drastischem Inflationsschub durch Nahost-Krieg

01.04.2026 – 18:00 Uhr

Angesichts der eskalierten Spannungen im Nahen Osten rechnet die türkische Zentralbank mit erheblichen Belastungen für die Preisstabilität. Der Gouverneur der Zentralbank der Republik Türkei, Fatih Karahan, warnte vor einem anhaltenden Kostenauftrieb, der die Teuerungsrate in der größten Volkswirtschaft der Region weiter anheizen könnte.

Gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sagte Karahan, die jüngste Eskalation habe zu einem starken Anstieg der Energiepreise geführt. Diese Entwicklung übe bereits indirekt Druck auf die Preise in verschiedenen Sektoren aus. Mittel- bis langfristig seien weitere Auswirkungen auf die Inflation zu erwarten, da die kostenseitigen und angebotsseitigen Störungen für zusätzliche Belastungen sorgen.

Die Notenbank zeigte sich entschlossen, mit straffer Geldpolitik gegenzusteuern. „Wir sind entschlossen, die Straffheit sicherzustellen, die für die Fortsetzung des Disinflationsprozesses erforderlich ist”, so Karahan.

Die Berechnungen der Währungshüter verdeutlichen die Hebelwirkung der Energiekosten: Eine dauerhafte Erhöhung des Ölpreises um zehn Prozent führt über ein Jahr hinweg zu einem Anstieg der Verbraucherinflation um etwa 1,1 Prozentpunkte. Dass dieser Effekt abgeschwächt wird, liegt am in der Türkei praktizierten Gleitkommasystem für Kraftstoffsteuern. Dieses reduziert die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise laut den Berechnungen der Bank auf ein Drittel.

Neben der Inflation sieht Karahan auch die Konjunktur gefährdet. Die steigenden Energiekosten, externe Unsicherheiten und die daraus resultierende mögliche Schwächung der Auslandsnachfrage dürften einen Abwärtsdruck auf die wirtschaftliche Aktivität ausüben. Eine angebotsseitige Verteuerung von Öl um zehn Prozent führt den Analysen zufolge innerhalb eines Jahres zu einem Rückgang des Wachstums um 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte.

Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Leistungsbilanz. So würde eine Verteuerung von Öl um zehn Dollar die Nettoenergiebilanz innerhalb eines Jahres um drei bis vier Milliarden Dollar verschlechtern. Parallel steigende Erdgaspreise könnten die Belastung auf fünf Milliarden Dollar erhöhen. Die aktuelle Leistungsbilanzdefizitquote liegt unter dem historischen Durchschnitt, sodass eine mögliche Verschlechterung handhabbar wäre.

Vor dem Hintergrund der Devisenmarktlage erläuterte Karahan die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen. So habe der Anteil der Goldreserven an den Gesamtreserven im März 2026 die Marke von 60 Prozent überschritten. „Daher ist es nur natürlich, goldbasierte Transaktionen zu nutzen, wenn die Fremdwährungsliquidität gestützt werden muss”, sagte der Gouverneur.

Die Bank setzt unter anderem auf Gold-Forex-Swapgeschäfte, um die Devisenliquidität zu stärken. Ein Großteil dieser Geschäfte ist so strukturiert, dass das Gold am Ende der Laufzeit in die Reserven zurückfließt. Zusätzlich sei ein Teil des Goldes verkauft worden.

Parallel dazu hat die Nachfrage der Banken nach Swapgeschäften mit der Zentralbank wieder zugenommen, da die Fremdwährungsliquidität im Bankensystem zuletzt gestiegen ist und der Bedarf an türkischen Lira gestiegen ist. „Die Tatsache, dass die Banken wieder Swapgeschäfte mit der Zentralbank nachfragen, zeigt, dass es im System keine Verknappung der Fremdwährungsliquidität gibt und unser umgesetztes Wechselkursregime auf dem richtigen Weg ist“, betonte Karahan.