Neue HSBC-Analyse: Vier Wachstumssektoren sollen türkischen Markt antreiben

07.08.2026 – 7:00 Uhr

Die türkischen Finanzmärkte stehen nach Einschätzung der britischen Großbank HSBC vor einem grundlegenden Wendepunkt. In einer aktuellen Strategiestudie bekräftigen die Analysten ihre Kaufempfehlung für türkische Aktien und sehen den Markt vor dem Beginn eines mehrjährigen Aufschwungs, sobald sich der geopolitische Staub im Nahen Osten gelichtet hat.

In dem am 4. August 2026 veröffentlichten Research-Bericht mit dem Titel „Türkei: Anatolische Adaption” räumt die HSBC ein, dass die Eskalation im Nahen Osten den Zyklus geldpolitischer Lockerungen vorerst ausgebremst hat. Die steigenden Ölpreise belasteten die Inflationserwartungen und zwängen die Zentralbank (TCMB), den einwöchigen Reposatz stabil bei 37 Prozent zu belassen. Eine ursprünglich erwartete Zinswende sei dadurch jedoch nicht entgleist, sondern lediglich zeitlich nach hinten verschoben worden.

Sollte sich die inländische Konjunkturdynamik weiterhin robust zeigen, rechnen die HSBC-Ökonomen bereits ab September mit einer Wiederbelebung der geldpolitischen Lockerung. Den eigentlichen Kursschub erwarten die Strategen jedoch erst für das vierte Quartal 2026, ab dann könnte sich ihrer Prognose zufolge eine bis ins Jahr 2027 anhaltende, breit angelegte Rallye entwickeln. Bis dahin werde sich der Markt noch einige Monate in einer engen Seitwärtsspanne bewegen.

Vier Wachstumstreiber jenseits der Makrodaten

Trotz der kurzfristigen geldpolitischen Stagnation identifiziert die HSBC vier strukturelle Sektoren, die vom globalen Kapitalfluss unabhängig boomen könnten: Allen voran die Rüstungsindustrie, die vom weltweit steigenden Militärbudget und der wachsenden Exportquote der Türkei profitiert. Hinzu kommen der Infrastruktur- und Wiederaufbausektor mit Milliardenprojekten in der Levante-Region, den Golfstaaten und perspektivisch in der Ukraine.

Die Bank macht den Bereich KI-Infrastruktur als dritten Wachstumsmotor aus. Aufgrund von Lieferengpässen und langen Vorlaufzeiten in den USA sind türkische Hersteller von Transformatoren und Schaltanlagen zunehmend gefragt. Den vierten Megatrend verortet HSBC im Bereich der Luftfahrt: Der Flughafen Istanbul gewinnt durch die Verlagerung von Drehkreuz-Verkehr aus der Golfregion zunehmend Marktanteile hinzu.

Niedrige Bewertungen trotz politischer Risiken

Die Analysten stufen die Bewertungen am Bosporus weiterhin als attraktiv ein. So liege das auf zwölf Monate rollierende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des BIST-Index bei lediglich 7,5, während die am Markt eingepreiste Eigenkapitalverzinsung von 25 Prozent im Verhältnis zu den langfristigen Inflationsaussichten übertrieben vorsichtig sei. Die ausländische Eigentümerquote an der Istanbuler Börse ist in den letzten zehn Jahren von 65 auf 33 Prozent gefallen. Allein zwischen März und Juni zogen ausländische Anleger rund zwei Milliarden US-Dollar ab. Die niedrige Positionierung ausländischer Investoren birgt nach Ansicht der Bank jedoch erhebliches Aufholpotenzial.

Zu den benannten Risiken zählen innenpolitische Turbulenzen sowie Diskussionen über vorgezogene Neuwahlen. Zudem mahnt HSBC, dass der Indexanbieter MSCI der Türkei bis November 2026 strengere Transparenzauflagen zum Streubesitz auferlegt hat. Die bisherigen regulatorischen Fortschritte deuten jedoch darauf hin, dass eine drohende Herabstufung oder ein Ausschluss aus den relevanten Indizes abgewendet werden kann.