Die türkische Hauptstadt Ankara betrachtet den bevorstehenden NATO-Gipfel als historische Chance, sich von einer reinen Beamtenmetropole in ein globales Zentrum für Tourismus und Kongresse zu verwandeln. Wenige Wochen vor dem Spitzentreffen sprechen Wirtschaftsvertreter von einer strategischen Zeitenwende für die Event-Ökonomie der Stadt.
Berker Bülbüloğlu, Vorstandsmitglied der Industriekammer Ankara (ASO) und Präsident des Tourismusverbandes der Stadt, bezeichnet das für den 7. und 8. Juli geplante Treffen als einmalige Gelegenheit. „Der Gipfel ist nicht nur eine Frage von Sicherheit und Diplomatie, sondern auch ein mächtiges Schaufenster“, erklärte Bülbüloğlu. Durch die Präsenz von Hunderten ausländischen Journalisten, Staatschefs und Meinungsführern rücke Ankara schlagartig ins Zentrum der globalen Aufmerksamkeit. Diese Bühne wolle man nutzen, um das kulturelle Erbe, die Gastronomie und die Museen der Stadt international zu vermarkten.
Die Hauptstadt habe sich in den letzten Jahren bereits merklich gewandelt, so der Tourismusexperte. Sie positioniert sich zunehmend jenseits ihrer traditionellen Rolle als administratives Zentrum. Als Belege für diesen Wandel nennt Bülbüloğlu die internationale Vermarktung der antiken Stätte Gordion, die Ernennung Ankaras zur „Tourismushauptstadt der Turkwelt“ sowie massive Investitionen in die kulturelle Infrastruktur.
Trotz dieser Fortschritte sieht Bülbüloğlu großen Nachholbedarf. Er verwies auf eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von lediglich rund 1,7 Nächten, die durch eine intelligente Strategie deutlich gesteigert werden könne. „Eine Verlängerung der Aufenthalte um nur eine Nacht würde einen wirtschaftlichen Mehrwert von Hunderten Millionen Dollar bedeuten“, rechnete er vor. Dafür seien neue Erlebniswelten und Veranstaltungsformate nötig, denn der Tourismus drehe sich heute nicht mehr nur um Sehenswürdigkeiten, sondern um Erfahrungen.
Mit Blick auf Städte wie Davos, Singapur, Dubai, Barcelona und Seoul betonte Bülbüloğlu, dass internationale Gipfel, Messen und Kulturfestivals entscheidende Motoren für Einnahmen und Sichtbarkeit sind. Dank seiner diplomatischen Stärke, der Verkehrsinfrastruktur, der akademischen Einrichtungen und des Humankapitals verfüge Ankara über alle Voraussetzungen, um in dieser Liga mitzuspielen. Der NATO-Gipfel könne dabei den Wendepunkt hin zu einer internationalen, eventgetriebenen Wirtschaft markieren.