Der Beginn des Konflikts zwischen den USA und Israel gegen den Iran hat weltweite Auswirkungen auf den Tourismussektor, wobei insbesondere die Türkei von der geopolitischen Lage profitieren könnte. Recep Yavuz, Präsident der Tourismus-Arbeitsgruppe des Antalya-Stadtforums, erklärte, dass die Krise sowohl die Frühjahrsferien als auch die bevorstehenden Feiertage wie Ostern schwer getroffen hat. “Viele Länder aus dem Nahen Osten und Fernost werden dieses Jahr ihren Tourismus auslassen. Die Türkei, mit ihrem Potenzial von 60 Millionen Touristen, ist in der Lage, die Nachfrage zu decken und bleibt das stärkste Reiseziel”, so Yavuz.
Naher Osten und Fernost schwer betroffen
Die Auswirkungen des Konflikts sind spürbar, da die steigenden Ölpreise und die Unsicherheit die Reisekosten in die Höhe treiben. Laut Yavuz hat dies dazu geführt, dass Buchungen weltweit um bis zu 50 % zurückgegangen sind – in den Nahost-Ländern sogar auf 100 %. „Das wichtigste Luftverkehrskreuz in der Region, das den asiatischen Raum mit Europa verbindet, wurde durch Raketenangriffe auf Dubai und Doha praktisch lahmgelegt”, erklärte er weiter.
Höhere Treibstoffpreise beeinflussen den Tourismus
Mit den höchsten Benzinpreisen der letzten fünf Jahre, so Yavuz, steigen auch die Kosten für den Flugverkehr. Dies werde zu höheren Reisekosten führen, was wiederum die Gesamtpreise für Urlaubsreisen verteuern wird. Besonders betroffen sind Transportunternehmen und Reisende, die auf Fernreisen angewiesen sind.
Ostern und Nevruz treffen schwere Verluste
Für die Türkei hatte der Krieg schwerwiegende Auswirkungen auf die Besucherströme während des Nevruz-Festes, da der iranische Markt praktisch ausfiel. „Im letzten Jahr kamen während Nevruz rund 15.000 Touristen aus dem Iran nach Antalya. In diesem Jahr ist der iranische Markt, der im März der viertgrößte war, praktisch zusammengebrochen“, erklärte Yavuz. Dies trifft besonders den Ostermarkt, da der Iran als wichtiger Tourismusmarkt für diese Zeit wegfällt.
Russische Touristen als Hoffnungsträger
Angesichts der schwierigen Lage in anderen Herkunftsländern richtet sich der Blick der Türkei nun auf die russischen Touristen. „Es wird erwartet, dass der Krieg den russischen Markt weniger beeinträchtigt. Der wahre Beginn der Saison könnte mit einer erhöhten Zahl russischer Touristen im Mai erfolgen“, sagte Yavuz. Dies könnte den Sommerurlaub für die Türkei retten, da die russischen Gäste traditionell eine wichtige Zielgruppe darstellen.
Sicherheit als oberstes Kriterium
Die Sicherheit hat sich als der wichtigste Faktor für die Wahl eines Reiseziels herausgestellt. Yavuz betonte, dass viele Touristen in diesem Jahr sicherere Destinationen bevorzugen werden. „Spanien und Italien sind starke Alternativen. Auch Portugal und Griechenland könnten aufgrund ihrer Nähe und sicheren Lage eine größere Nachfrage erleben“, fügte er hinzu.
Naher Osten und Fernost verlieren Marktanteile
Laut Yavuz werden die meisten Länder des Nahen Ostens und Fernost in diesem Jahr ihren Tourismus aussetzen. „Durch die Schließung von wichtigen Transit-Hubs wie Doha, Abu Dhabi und Dubai können Touristen aus Asien nicht mehr nach Europa reisen. Dies betrifft insbesondere chinesische und japanische Reisende, die oft über diese Drehkreuze flogen“, erklärte er.
Türkei als Hauptakteur im Mittelmeertourismus
Trotz der schwierigen geopolitischen Situation sieht Yavuz die Türkei in einer starken Position. „Es gibt 750 Millionen Touristen in Europa, und sie werden irgendwo hinreisen. Aufgrund der geographischen Nähe und des verhältnismäßig sicheren Umfelds wird die Türkei zu einem der bevorzugten Reiseziele im Mittelmeerraum. Ein Tourismussaison ohne die Türkei im Mittelmeer ist nicht vorstellbar“, sagte Yavuz abschließend.