Der chinesische Online-Händler Temu hat seinen Verkaufsstopp in der Türkei aufgehoben und beliefert türkische Kundinnen und Kunden wieder – allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen. Das Unternehmen hatte den Betrieb ausgesetzt, nachdem die türkische Regierung die vereinfachte Zollabfertigung für Kleinsendungen abgeschafft hatte.
Anders als zuvor werden Sendungen künftig nicht mehr als Einzelpakete, sondern gesammelt und gewerblich eingeführt. Die Verantwortung für die Verzollung und die Abgabensteuerung liegt nun vollständig bei der türkischen Temu-Tochter WhaleCo Turkey Teknoloji. Das Unternehmen kassiert die Steuern bereits beim Kauf und wickelt die Zollformalitäten zentral ab. Käufer müssen weder eigene Zollmakler beauftragen noch mit Zusatzkosten rechnen.
WhaleCo Turkey Teknoloji wurde bereits vor einem Jahr gegründet, blieb jedoch bislang weitgehend inaktiv. Mit dem Neustart ändert sich das jedoch grundlegend: Laut Branchenvertretern unterliegt Temu nun erstmals denselben Sicherheitskontrollen und regulatorischen Pflichten wie andere Importeure. Die zuvor genutzten Sonderregelungen für Niedrigpreissendungen sind damit hinfällig.
Fatih Balkan, Präsident des Verbands der E-Commerce-Infrastrukturanbieter, erläutert das neue Modell: Die türkische Tochtergesellschaft bündelt Bestellungen zu Containerladungen, führt sie geschlossen ein und verteilt die Ware anschließend innerhalb der Türkei. Die Umstellung dürfte sich mittelfristig auf die Preisgestaltung des Händlers auswirken, da Temu künftig selbst für die Zahlung der Einfuhrabgaben aufkommen muss.