Morgan Stanley erwartet Zinssenkungen der türkischen Notenbank im Schlussquartal

09.09.2026 – 6:30 Uhr

Die türkische Notenbank könnte noch in diesem Jahr den seit Langem erwarteten Kurswechsel einleiten. Laut einer aktuellen Analyse der US-Investmentbank Morgan Stanley wird die türkische Zentralbank (TCMB) im Schlussquartal ihre geldpolitische Strategie anpassen und die Leitzinsen erstmals seit Langem wieder senken. Die Ökonomen erwarten trotz anhaltender Inflationsrisiken eine vorsichtige Lockerung im Oktober und Dezember.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht gehen die Analysten Georgi Deyanov und Arnav Gupta davon aus, dass die Währungshüter den Leitzins bei ihrer anstehenden Sitzung am Donnerstag zunächst noch unverändert bei 37 Prozent belassen werden. Der eigentliche Wendepunkt wird jedoch für das vierte Quartal prognostiziert: Sobald sich der zugrunde liegende Inflationstrend im Herbst spürbar abschwächt, rechnet Morgan Stanley mit zwei Zinsschritten von jeweils 100 Basispunkten.

Damit würde der Leitzins bis zum Jahresende auf 35 Prozent sinken. Für die darauffolgenden Jahre zeichnen die Experten einen anhaltenden, wenn auch flachen Abwärtspfad: Bis Ende 2027 soll der Schlüsselzins schrittweise bis auf 27,5 Prozent fallen.

Inflationsrisiko bleibt der Unsicherheitsfaktor

Trotz des erwarteten Lockerungszyklus warnen die Analysten vor verfrühtem Optimismus. Die Prognosen seien weiterhin mit erheblichen Aufwärtsrisiken behaftet. Sollte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen als gedacht, könnte die Notenbank zu einem späteren Zeitpunkt oder in geringerem Umfang an der Zinsschraube drehen. Die Fachleute betonen, dass der geldpolitische Rahmen der Türkei zwar auch unter schwierigen globalen Bedingungen Stabilität zeigt, die Inflation jedoch das zentrale Risiko für die geldpolitische Planung bleibt.

Wall Street bleibt bei der Lira vorsichtig optimistisch

Trotz der Vorsicht am Anleihemarkt bleibt Morgan Stanley seiner konstruktiven Haltung gegenüber der türkischen Lira treu. Die Bank bestätigte ihre Präferenz für kurzfristige Dollar-Lira-Short-Positionen, also Wetten auf eine vergleichsweise stabile beziehungsweise aufwertende Lira.

Als Begründung führen die Strategen an, dass der tatsächliche Wertverlust der türkischen Währung geringer ausfällt als an den Terminmärkten eingepreist. Diese Diskrepanz sorgt dafür, dass sogenannte Carry Trades – also Geschäfte, die von Zinsdifferenzen profitieren – für internationale Anleger attraktiv bleiben. Während die Inflation den lokalen Anleihemarkt belastet, ist die Rendite-Perspektive über die Währungsschiene intakt.