Mietpreisanstieg in der Türkei fällt auf tiefsten Stand seit fast fünf Jahren

29.07.2026 – 7:00 Uhr

Nach jahrelanger Preisexplosion erlebt der türkische Mietwohnungsmarkt eine historische Abkühlung. So sank der jährliche Mietanstieg für Neuvermietungen im Juni auf 29,21 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 58 Monaten. Das geht aus aktuellen Daten der türkischen Zentralbank hervor. Real, also unter Berücksichtigung der Inflation, verbilligten sich die Mieten im Vorjahresvergleich sogar um 2,2 Prozent.

Diese Dämpfung markiert das vorläufige Ende einer beispiellosen Preisspirale. Ihren Höhepunkt hatte die Mietinflation im Jahr 2022 erreicht, als die jährlichen Steigerungsraten zeitweise bei über 143 Prozent lagen. Auch im gesamten Jahr 2023 blieben die Zuwächse dreistellig. Erst 2024 fiel die Teuerung in den zweistelligen Bereich und verharrte zum Jahresende bei rund 60 Prozent. Im Laufe des Jahres 2025 sank sie weiter auf 35 bis 40 Prozent, um schließlich im Juni 2026 unter die Marke von 30 Prozent zu rutschen.

Trotz der Entspannung bei der Wachstumsrate stiegen die Mieten zuletzt noch leicht an. Im Juni stiegen sie um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat, was Analysten vor allem auf saisonale Effekte zurückführen.

Als zentralen Treiber für die Marktberuhigung identifizieren Experten eine veränderte Wanderungsbewegung. Durch die Fertigstellung von Wohnungsbauprojekten in den Erdbebengebieten kehren viele Menschen dorthin zurück. Gleichzeitig dämpfen neu auf den Markt kommende Sozialwohnungen, eine generell schwächere Mietnachfrage sowie gestiegene Finanzierungshürden die Dynamik. Zudem drängt die anhaltend schwierige Wirtschaftslage viele Haushalte aus dem Miet- in den Kaufmarkt, da sie sich Mieten nicht mehr leisten können.

Ungeachtet der verlangsamten Dynamik bleibt das absolute Mietniveau jedoch hoch. So mussten Mieter im zweiten Quartal 2026 für eine landesweit durchschnittliche 100-Quadratmeter-Wohnung monatlich 25.863 Türkische Lira aufbringen. Ein Jahr zuvor waren es noch 19.119 Lira.

In der Metropole Istanbul ist die Belastung erwartungsgemäß am größten. Dort kletterte die Durchschnittsmiete für eine gleich große Wohnung im Vergleichszeitraum von 30.519 auf 44.332 Lira. In der Hauptstadt Ankara wurden im zweiten Quartal 2026 durchschnittlich 23.921 Lira fällig und in der Küstenstadt Izmir 28.540 Lira.