„Made in EU“ mit der Türkei: Neuer Schub für Handel – Brüssel öffnet Tür für Ankara

05.03.2026 – 13:00 Uhr

Die geplante europäische Industrieoffensive „Made in EU“ soll künftig auch die Türkei einbeziehen. Handelsminister Ömer Bolat wertete dies als wichtigen Schritt für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.

Hintergrund ist ein Gesetzesvorschlag der Europäischen Kommission zur Stärkung der industriellen Basis in Europa. Mit dem sogenannten „Industrial Accelerator Act“ (IAA) will die Behörde strategische Branchen wie Stahl, Zement, Aluminium, Automobilbau sowie Netto-Null-Technologien gezielt fördern. Perspektivisch könnten auch weitere energieintensive Sektoren wie die Chemieindustrie einbezogen werden.

Einbindung in europäische Wertschöpfungsketten

Laut Bolat wird im Rahmen der neuen Industriepolitik die bestehende Zollunion zwischen der EU und der Türkei ausdrücklich berücksichtigt. Dies sei ein „konstruktiver Beschluss“ für die Sicherung von Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Lieferketten, erklärte der Minister auf der Plattform NSosyal.

Die formale Bestätigung, dass die Türkei unter die Kriterien von „Made in EU“ fällt, stellt einen bedeutenden Schritt für die Handelsbeziehungen dar. Türkei sei insbesondere im Automobilsektor und bei weiteren Schlüsselprodukten ein verlässlicher Bestandteil der europäischen Wertschöpfungsketten, so Bolat.

EU bleibt wichtigster Absatzmarkt

Die Europäische Union ist für die Türkei weiterhin der wichtigste Exportmarkt. Laut Daten des Türkischen Statistikinstituts (TÜİK) entfielen im Jahr 2025 rund 42,8 Prozent der türkischen Ausfuhren im Wert von 116,9 Milliarden US-Dollar auf den Staatenverbund. Das entspricht einem Anstieg von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Vor diesem Hintergrund wird die Einbindung in die neue Industrieinitiative als wirtschaftlich bedeutsam eingestuft. Es wird erwartet, dass die sektorale Integration vertieft und die grüne sowie digitale Transformation gemeinsamer Lieferketten beschleunigt wird.

Wirtschaft begrüßt Entscheidung

Auch Vertreter der Wirtschaft reagierten positiv. Nail Olpak, der Präsident des Außenwirtschaftsrats DEİK, bezeichnete die Entwicklung als „äußerst wichtig und erfreulich“. Die Anerkennung türkischer Produkte als EU-Ursprungswaren im Rahmen der Zollunion sei von großer Tragweite. DEİK werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Gesetzentwurf die Interessen der Türkei sichere und offene Fragen im Verhältnis zur EU geklärt würden.

Ähnlich äußerte sich Şekib Avdagiç, der Präsident der Industrie- und Handelskammer Istanbul (İTO). Er bezeichnete die rechtliche Klarstellung als großen Erfolg für die türkische Wirtschaft. Dadurch werde das Risiko verringert, dass neue „Made in EU“-Produktions- und Handelsnetzwerke zu Wettbewerbsnachteilen für türkische Unternehmen führen könnten.

Avdagiç betonte zugleich die strategische Bedeutung des EU-Marktes. Das Ziel müsse darin bestehen, sich als moderner Hochtechnologie-Standort zu positionieren, der die Anforderungen des europäischen Marktes erfüllt.

Ausblick auf weitere Öffnungsschritte

Handelsminister Bolat kündigte an, Ankara werde sich in der kommenden Zeit für gegenseitige Öffnungen bei öffentlichen Beschaffungsmärkten einsetzen und die Zusammenarbeit in Zukunftsfeldern wie Konnektivität und grüner Transformation ausbauen. Das Ziel sei, die wirtschaftliche Partnerschaft weiter zu vertiefen.