Während geopolitische Spannungen und die Blockade wichtiger Seehandelswege die globalen Lieferketten zunehmend unter Druck setzen, positioniert sich die Türkei als zentrale Ausweichroute und Logistikdrehscheibe. Laut dem Vorstandsvorsitzenden des Logistikunternehmens OMSAN, Ergun Arıburnu, habe das Land bereits vor fast zwei Jahrzehnten mit den strategischen Vorbereitungen für eine Verschiebung der Welthandelsströme begonnen.
„Die Türkei hat bereits 2007 damit angefangen, sich auf diese Entwicklung vorzubereiten. Wir haben unsere Logistikmodalitäten diversifiziert“, wird Arıburnu in einer Mitteilung zitiert. Als konkrete Beispiele für den Aufbau alternativer Netzwerke nannte der Manager den Mittleren Korridor, den Sangesur-Korridor sowie erneuerte Pläne für die Hedschasbahn.
Hintergrund dieser strategischen Neuausrichtung ist die wachsende Verunsicherung über die Verlässlichkeit traditioneller Schifffahrtsrouten. Die Asien-Pazifik-Region sucht angesichts steigender geopolitischer Risiken verstärkt nach alternativen Wegen, um Waren zu den Verbrauchermärkten zu transportieren. Dabei geht es nicht nur um die aktuelle Krise in der Straße von Hormus. „Heute ist es Hormus, morgen könnte es der Suezkanal oder der Panamakanal sein”, so Arıburnu. Länder müssten sich darauf einstellen, dass Routen, die unter der Kontrolle einzelner Staaten stehen, unzugänglich werden könnten. In unsicheren Zeiten sucht der Handel stets „sichere Häfen“.
Die Türkei hat ihre geopolitische Lage durch massive Investitionen in die Schieneninfrastruktur in einen handfesten Vorteil verwandelt. Sie ist längst nicht mehr nur eine passive Transitstrecke, sondern entwickelt sich zu einem aktiven Logistikzentrum, in dem große Schiffe ankommen, ihre Fracht auf kleinere Feederschiffe umgeladen und per Bahn über eine weite Geografie bis nach Afrika verteilt wird.
Für den Logistiker ist Marokko zudem ein Schlüssel für die globale Expansion. Der Hafen Tanger Med, einer der größten der Welt, gilt als zentrale strategische Investition. OMSAN hat dessen Bedeutung früh erkannt und ist das erste Logistikunternehmen, das dort Niederlassungen und Lager errichtet hat. „Unsere Vision ist es, global zu expandieren. Unser Ziel ist es, über Marokko die afrikanischen Märkte zu erschließen“, sagte Arıburnu. Im Bereich der Automobillogistik auf dem afrikanischen Kontinent sieht er OMSAN bereits jetzt als klaren Marktführer.
Neben der Infrastruktur sieht der Logistikchef das türkische Humankapital als entscheidenden Standortvorteil, der sich deutlich von den Nachbarregionen in Afrika, dem Nahen Osten und Europa abhebt. Die globale Suche nach alternativen Logistikrouten festigt die Position des Landes in den weltweiten Lieferketten weiter, während die Investitionen im Inland mit unvermindert hohem Tempo fortgesetzt werden.