Die türkische Wirtschaft wies im vergangenen Jahr ein deutliches Ungleichgewicht im Außenhandel auf. Wie die Zentralbank in Ankara am Donnerstag mitteilte, wies die Leistungsbilanz für das Jahr 2025 ein Defizit von 25,2 Milliarden US-Dollar aus. Damit hat sich das Minus im Vergleich zu 2023, als es bei 10,4 Milliarden Dollar lag, mehr als verdoppelt.
Die Statistik zeigt ein Jahr der Gegensätze: Zwar verbuchte das Land in vier Monaten einen Überschuss, die negativen Ausschläge in den anderen Perioden fielen jedoch umso schwerer ins Gewicht. Besonders der Dezember trug mit einem Fehlbetrag von 7,25 Milliarden US-Dollar erheblich zum Jahresergebnis bei.
Hauptverantwortlich für das hohe Defizit ist die schwache Handelsbilanz. Den Importen von Gütern im Wert von 69,7 Milliarden Dollar standen keine ausreichenden Exporte gegenüber. Der Dienstleistungssektor zeigte sich wie gewohnt stark und erzielte einen Netto-Überschuss von 63,5 Milliarden Dollar, der vor allem auf den Tourismus zurückzuführen ist. Er konnte jedoch das Loch in der Warenbilanz nicht stopfen. Hinzu kommen Netto-Abflüsse bei den Primäreinkommen in Höhe von 18,5 Milliarden Dollar, zu denen unter anderem Zinszahlungen an ausländische Gläubiger zählen.
Die Finanzierung des hohen Minus erfolgte laut Zentralbank vor allem über Kredite, die einen Nettomittelzufluss von 36,2 Milliarden Dollar ermöglichten. Auch Direktinvestitionen aus dem Ausland trugen mit 3,3 Milliarden Dollar zur Deckung bei.
Ein Blick auf den Dezember offenbart die anhaltenden Spannungen. Bereinigt um die schwankungsanfälligen Posten Gold und Energie ergab sich immer noch ein Defizit von 691 Millionen Dollar. Während die Dienstleistungsbilanz im letzten Monat des Jahres einen Überschuss von 2,65 Milliarden Dollar erwirtschaftete, stand dem ein Warenminus von 7,44 Milliarden Dollar gegenüber.
Bei den Kapitalbewegungen zeigte sich im Dezember ein uneinheitliches Bild: Während ausländische Anleger netto 642 Millionen Dollar in der Türkei investierten, legten türkische Unternehmen und Privatpersonen ihr Geld im Ausland an und erhöhten ihre Vermögenswerte dort um 1,1 Milliarden Dollar. Dies führte per Saldo zu einem Nettokapitalabfluss von 465 Millionen US-Dollar bei den Direktinvestitionen.
Interessant entwickelte sich auch der Immobilienmarkt: Ausländer erwarben im Dezember für 287 Millionen Dollar netto Eigentum in der Türkei, während türkische Staatsbürger 252 Millionen Dollar in Immobilien im Ausland investierten.