Illegale Online-Wetten florieren in der Türkei – und das völlig unabhängig vom digitalen Zahlungsverkehr. Anstelle von Überweisungen oder Kreditkarten setzen die Betreiber auf einen hochprofessionellen Kurierdienst auf zwei Rädern. Dies berichtet ein namentlich nicht genannter Unternehmer, der wegen Spielsucht in Behandlung ist.
Nach Angaben des als D. Y. bezeichneten Geschäftsmanns haben sich die Betreiber der Plattformen weitgehend aus dem regulierten Finanzsystem zurückgezogen. Banktransfers mit hohen Summen seien inzwischen zu riskant. Die Lösung sind Motorrad-Kuriere, die Bargeld in oft sechsstelliger Höhe durch die Städte transportieren – unbemerkt von Fahndern und Finanzaufsicht.
„Gespielt wird zwar digital, das Geld bewegt sich aber auf der Straße“, so D. Y. Die Organisatoren hätten ein flächendeckendes Netz aus Zwischenhändlern aufgebaut. Diese stellen nicht nur die Wettkontakte her, sondern kassieren oder zahlen auch die Einnahmen und Verluste physisch aus.
Die Spieler selbst haben demnach keinen direkten Zugang zu den Wettseiten. Stattdessen erhalten sie über persönliche Vermittler individuelle Zugangslinks samt Nutzerkonto – eine Art weiße Weste im Untergrund. Die gesamte Abwicklung läuft über diese Schnittstelle. Die Vermittler verdienen dabei doppelt: am Verlust wie am Gewinn ihrer Kunden.
Um die Spieler bei der Stange zu halten, gewähren die Netzwerke teils massive Nachlässe auf Verluste. Rabatte von 30 bis 40 Prozent sind dem Unternehmer zufolge keine Seltenheit. Ein Geschäftsmodell, das Abhängigkeit fördert und Kontrollen erschwert.