Kulturminister Ersoy besucht Hethiter-Ausstellung im Museum für anatolische Zivilisationen

22.08.2026 – 13:00 Uhr

Es ist ein Fenster in eine fast vergessene Welt der Macht und der Rituale: Im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara ist ab sofort eine Sonderausstellung zu sehen, die einem der rätselhaftesten Monumente des Hethiterreichs gewidmet ist. Unter dem Titel „Ein hethitischer König am Yalburt-Quell” werden die archäologischen Schätze und die bewegte Forschungsgeschichte rund um das im Jahr 1970 entdeckte Wasserheiligtum erstmals umfassend präsentiert.

Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy besichtigte die Ausstellung am Dienstag und betonte ihre herausragende Bedeutung für die zentralanatolische Provinz Konya. „Diese sehr spezielle Ausstellung trägt die Spuren des Hethiterreiches in die Gegenwart und bietet den Besuchern die Möglichkeit, das starke kulturelle Erbe dieser Zivilisation aus nächster Nähe zu betrachten“, erklärte Ersoy laut einer Mitteilung seines Ministeriums.

Von der Wasserleitung zum Königspalast

Die Geschichte der Entdeckung liest sich wie ein archäologischer Krimi: Eigentlich waren Arbeiter der staatlichen Wasserbehörde im Jahr 1970 im Bezirk Ilgın damit beschäftigt, eine Quelle zu kanalisieren. Dabei stießen sie unerwartet auf behauene Steinblöcke mit rätselhaften Zeichen. Die hinzugerufenen Wissenschaftler des Anatolischen Museums unter der Leitung von Raci Temizer identifizierten die Überreste schließlich als ein monumentales, künstlich angelegtes Wasserbecken, das im Auftrag des hethitischen Großkönigs Tudhalija IV. errichtet wurde. (ca. 1245–1215 v. Chr.).

Die Grabungen legten ein rechteckiges Becken mit den Maßen 12,70 mal 8,30 Meter frei, das mit Inschriften in luwischen Hieroglyphen verziert war. Es handelte sich offenbar um ein „kultisches Wasserheiligtum“, das für die Hethiter eine immense spirituelle Bedeutung gehabt haben muss. Die Ausstellung zeichnet den Weg von der zufälligen Entdeckung bis zur wissenschaftlichen Dokumentation detailliert nach und nutzt dabei Archivdokumente, alte Grabungsfotos und Feldtagebücher.

40 Artefakte und ein wiederverwendetes Rätsel

Insgesamt werden 40 Originalfunde präsentiert, die zwischen 1970 und 1975 bei den Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten geborgen wurden. Die in Zusammenarbeit mit der Universität von Illinois und unter der Kuration von Prof. Dr. Ömür Harmanşah entstandene Ausstellung zeigt jedoch nicht nur die glanzvolle Zeit der Hethiter. Sie offenbart auch ein kurioses Detail: In der frühen römischen Kaiserzeit wurde das verfallene hethitische Monument offenbar kurzerhand „recycelt”. Die Römer nutzten die beschrifteten Steinblöcke der Hethiter als einfaches Baumaterial, um an gleicher Stelle ein neues, deutlich kleineres Becken (etwa 5 × 4 Meter) zu errichten.

Die Ausstellung beleuchtet zudem die jüngsten Forschungen des „Yalburt-Plateau-Archäologischen Surveys“ (2010–2021) unter der Leitung von Harmanşah und Dr. Peri Johnson. Videos, Zeichnungen und moderne Felddaten dokumentieren die Veränderungen der Landschaft um das Heiligtum über Jahrtausende hinweg. Minister Ersoy lud die Bevölkerung ausdrücklich zum Besuch ein: „Die Besucher werden hier nicht nur Artefakte sehen, sondern Zeugen einer kompletten Forschungsreise – von der Entdeckung bis zur wissenschaftlichen Auswertung – werden.“