Krisenherd Nahost: Türkei fühlt sich sicher bei Energieversorgung – doch der Preis könnte steigen

27.03.2026 – 7:00 Uhr

Trotz der eskalierten Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran sieht sich die Türkei bei der Energieversorgung auf der sicheren Seite. Energieminister Alparslan Bayraktar betonte, dass die jüngsten Angriffe die Versorgungssicherheit des Landes nicht beeinträchtigt hätten. Doch die wirtschaftlichen Risiken des Konflikts sind auch in Ankara deutlich zu spüren.

„Wir stehen vor einer Krise, die potenziell Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben könnte“, sagte Bayraktar der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Sollte der Konflikt länger andauern, könnten die geopolitischen Spannungen möglicherweise schwerwiegender sein als vergangene globale Krisen.

Während weltweit die Sorge vor Lieferengpässen wächst, beschrieb der Minister die Lage als zunehmendes Angebotsproblem. Normalerweise passieren rund 20 Prozent der globalen Öl- und Flüssigerdgas-Ströme die Straße von Hormus – eine Schlüsselroute, die derzeit als beeinträchtigt gilt. Eine Nachfragekrise sei hingegen noch nicht erkennbar.

Bayraktar nannte eine geringe Abhängigkeit von der Krisenregion als Grund für die eigene Gelassenheit. Lediglich zehn Prozent der türkischen Energieimporte stammen aus dem Nahen Osten, Erdgas wird von dort gar nicht bezogen. Durch neue Lieferverträge, unter anderem mit den USA, seien die Bezugsquellen weiter diversifiziert worden.

Entwarnung gab der Minister auch hinsichtlich der Gaslieferungen aus dem Nachbarland Iran, die unverändert liefen. Die türkischen Speicher seien derzeit zu 71 Prozent gefüllt.

Ganz unbeschadet wird das Land jedoch nicht durch die Krise kommen. Bayraktar rechnete vor, dass jeder Anstieg des Rohölpreises um einen US-Dollar pro Barrel die Türkei zusätzlich 400 Millionen US-Dollar koste. Sollten die aktuellen Preisniveaus bis zum Jahresende anhalten, müssten im Haushalt zusätzliche 620 Milliarden Lira (umgerechnet rund 17 Milliarden Euro) bereitgestellt werden. Eine Neubewertung der Gas- und Strompreise sei im April möglich.

Um die Abhängigkeit von Importen langfristig zu verringern, setzt die Regierung auf eigene Förderung. Neben der Ölproduktion im südostanatolischen Gabar sollen im Schwarzen Meer neue Bohrungen anlaufen. Zudem bekräftigte Bayraktar das Ziel, noch in diesem Jahr den ersten Strom aus dem umstrittenen Atomkraftwerk Akkuyu zu gewinnen.