Krieg am Golf versetzt türkische Bauern in Kostenfalle – Ernte und Preise unter Druck

08.04.2026 – 6:35 Uhr

Die Krise in der Straße von Hormus sorgt für einen drastischen Anstieg der Düngemittelpreise in der Türkei, was sich wiederum auf die gesamte Nahrungsmittelkette auswirkt. Je nach Produkt liegen die Zuschläge zwischen acht und 55 Prozent. Die Bauern stehen vor einem unlösbaren Problem: Weniger Dünger bedeutet geringere Erträge, der bisherige Einsatz hingegen treibt die Kosten in die Höhe.

Hintergrund sind die eingeschränkten Schifffahrtswege durch die strategisch wichtige Meerenge. Schätzungen zufolge ist die weltweite Düngemittelversorgung dadurch um ein Drittel geschrumpft. Besonders hart trifft es Produkte, deren Herstellung stark von Erdgas abhängt, das 80 bis 90 Prozent der Kosten ausmacht. So stieg der Preis für Harnstoff aus dem Nahen Osten binnen eines Monats von 482 auf 750 Dollar pro Tonne – ein Plus von 56 Prozent.

Auch in der Türkei sind die Auswirkungen spürbar. Arslan Soydan vom Landwirtschaftskammerverband TZOB berichtet von massiven Steigerungen: So verteuerte sich Ammoniumnitrat um 40 Prozent auf 23.000 türkische Lira und Ammoniumsulfat um 50 Prozent auf 22.000 Lira. Besonders betroffen sind die Haselnusserzeuger in der Schwarzmeerregion. Haselnusserzeuger in der Schwarzmeerregion. „Wenn weniger gedüngt wird, drohen Ertragseinbußen und ernsthafte Ernteverluste“, so Soydan.

Die steigenden Düngerkosten würden zwangsläufig an die Verbraucher weitergegeben. „Zunächst sehen wir Risiken bei Ackerkulturen, aber bald werden auch die Preise für Obst und Gemüse steigen.“ Er bewertet die jüngste Entscheidung der Regierung, die Zölle auf bestimmte Düngemittel auszusetzen, positiv. Das helfe, Preisschwankungen abzufedern.

Mustafa Bekar, der Leiter der TZOB-Ortahisar-Kammer in Trabzon, berichtet, dass viele Landwirte den Dünger bereits zurückfahren – mit absehbaren Folgen für die Erträge. „Die Bauern versuchen, die Produktion aufrechtzuerhalten, aber sie stecken in einer schwierigen Lage“, so Bekar.

Das Land ist in der Düngemittelversorgung extrem vom Ausland abhängig: Mehr als 90 Prozent der chemischen Rohstoffe müssen importiert werden. Abgesehen von Phosphatvorkommen in Mardin fehlen eigene Ressourcen. Allein im Jahr 2023 importierte die Türkei nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums 5,2 Millionen Tonnen Dünger.