KPMG-Studie: Türkei profitiert von langer Aufenthaltsdauer internationaler Gäste

12.06.2026 – 7:00 Uhr

Mit einer unerwarteten Kennzahl katapultiert sich die Türkei an die Spitze des europäischen Tourismus und lässt klassische Urlaubsländer hinter sich. Während die reine Besucherzahl beeindruckt, ist es vor allem die immense Verweildauer der Gäste, die die Branche aufhorchen lässt. Dadurch wandelt sich das Land von einer Destination für Kurzreisen zu einem Langzeit-Magneten.

Ein aktueller Bericht der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG zeigt: Die Türkei hat im vergangenen Jahr nicht nur 52,8 Millionen internationale Besucher empfangen und damit weltweit den sechsten Platz belegt. Für die wirtschaftliche Bilanz noch entscheidender ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 10,7 Tagen, die weit über dem europäischen Mittel liegt und die Konkurrenten im Mittelmeerraum deutlich in den Schatten stellt.

Vom klassischen Badeurlaub zum Langzeit-Domizil

Diese strukturelle Verschiebung untermauert den Wandel des touristischen Profils. Die Türkei sei nicht länger nur ein Ziel für kurze Stippvisiten, sondern habe sich zu einer Destination für ausgedehnte Aufenthalte entwickelt, heißt es in der Analyse. Parallel dazu stiegen die Einnahmen auf insgesamt 64,4 Milliarden US-Dollar. Der durchschnittliche Erlös pro Gast und Nacht kletterte auf 100 US-Dollar und die Pro-Kopf-Ausgaben legten um 3,7 Prozent auf 1.008 US-Dollar zu. Dies deutet auf eine erfolgreiche Strategie hin, vermehrt zahlungskräftigere Gäste anzusprechen und Nischen wie Gesundheits-, Gastronomie- und Kulturtourismus stärker zu bespielen.

Branche sieht 100-Millionen-Marke, aber Risiken wachsen

Angesichts dieser Dynamik hält der Vize-Vorsitzende des türkischen Reiseveranstalterverbandes TÜRSAB, Davut Günaydın, langfristig sogar ein Volumen von 100 Millionen Touristen für realisierbar – vorausgesetzt, die verschiedenen Tourismussparten werden erfolgreich integriert.

Trotz des Booms, der den globalen Sektor auf ein Volumen von über 1,8 Billionen US-Dollar und 1,5 Milliarden internationale Ankünfte getrieben hat, warnt KPMG vor nahenden Turbulenzen. Ruhican Özen, Stratege und Tourismusexperte der Gesellschaft, sieht im laufenden Jahr eine entscheidende Belastungsprobe: „2026 werden die zunehmenden makroökonomischen Unsicherheiten das prägende Element sein. Dies könnte zu Stornierungsquoten von bis zu 30 Prozent führen.“ Der globale Aufschwung bleibt demnach fragil und ist stark von geopolitischen Entwicklungen abhängig.