Der türkische Einzelhandel ist unerwartet schwach ins Jahr 2026 gestartet. Selbst flächendeckende Rabattaktionen konnten die Kauflaune der Verbraucher nicht steigern. Wie eine aktuelle Umfrage des türkischen Markenverbands (BMD) unter seinen 512 Mitgliedsunternehmen aus dem Non-Food-Einzelhandel ergab, mussten im Januar die meisten Händler Verluste hinnehmen.
Demnach verzeichneten vier von fünf Unternehmen im Vergleich zum Vormonat Dezember sowohl einen Rückgang der Stückzahlen als auch der Umsatzerlöse. „Wir waren auf einen schwachen Jahresstart vorbereitet, aber die Realität hat unsere ohnehin vorsichtigen Erwartungen noch untertroffen”, kommentierte BMD-Präsident Sinan Öncel die aktuellen Zahlen.
Besonders alarmierend sei, dass selbst die traditionellen Rabatt-Hochburgen versagten. So verzeichneten 90 Prozent der Schuhmarken und 77 Prozent der Bekleidungsanbieter weniger verkaufte Teile als noch im Dezember – und das, obwohl vielerorts mit hohen Nachlässen geworben wurde.
Ein kleiner Lichtblick zeigt sich lediglich im Vergleich zum Vorjahresmonat: 58 Prozent der befragten Marken konnten ihre Absatzmengen steigern und 92 Prozent erzielten ein höheres Umsatzvolumen. Doch dieser Scheinerfolg trügt, wie Öncel betont: „Fast die Hälfte dieser Unternehmen gab an, dass das Umsatzplus nicht ausreichte, um die Inflation auszugleichen.” Das bedeutet, dass viele Händler zwar mehr Lira in der Kasse haben, real aber weniger Waren verkaufen und somit unter dem Strich weniger Wertschöpfung erzielen.
Laut Öncel sei bereits das Jahr 2025 geprägt gewesen von einem ruinösen Wettbewerb, bei dem die Branche für höhere Absatzzahlen tief in die Gewinnmargen geschnitten habe. Die Zahlen von Januar deuteten nun darauf hin, dass selbst radikale Preissenkungen die Konsumzurückhaltung der Kunden angesichts der hohen Inflation nicht mehr durchbrechen könnten.
Der Verbandspräsident warnte eindringlich vor einer sich verfestigenden Krise. „Die Erosion der Profitabilität zieht sich nun bereits durch das dritte Jahr. Das macht die gesamte Branche extrem verletzlich.“ Neben der Kaufzurückhaltung seien die weiter steigenden Betriebskosten, insbesondere die explodierenden Mieten, die größte Sorge der Händler. „Wenn die Kostenlawine nicht gestoppt wird, könnten die kommenden Monate für viele Unternehmen existenzbedrohend werden”, sagte Öncel mit Blick auf die nahe Zukunft.