Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturerwartungen für die Türkei deutlich nach unten korrigiert. In dem am Mittwoch veröffentlichten, aktualisierten Weltwirtschaftsausblick wird für das Jahr 2026 nur noch ein Wachstum von 2,9 Prozent prognostiziert. Im April war die Prognose noch bei 3,4 Prozent gelegen.
Für das Jahr 2027 zeigt sich der Fonds hingegen etwas optimistischer und hebt die Wachstumserwartung für die Türkei von 3,5 auf 3,6 Prozent an. Die Revisionen für die türkische Volkswirtschaft sind Teil einer globalen Neubewertung, bei der gegenläufige Kräfte die Weltkonjunktur prägen.
Die Gesamtprognose für das globale Wachstum im Jahr 2026 senkte der IWF leicht von 3,1 auf 3,0 Prozent. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Durchschnitt der beiden Vorjahre von 3,5 Prozent. In dem Bericht heißt es, dass die Risiken für die Weltwirtschaft durch ein temporäres Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran zwar ausgeglichener seien als noch vor drei Monaten, sie neigten aber weiterhin klar nach unten.
Als Hauptgefahren nennt der IWF eine erneute Eskalation im Nahen Osten, eine tiefere Fragmentierung des Welthandels und das Platzen der überzogenen Erwartungen an die künstliche Intelligenz (KI). Die akute Brisanz dieser Risiken wurde unterstrichen, als die Spannungen in der Straße von Hormus nach neuen Angriffen auf Handelsschiffe und US-Luftschlägen zuletzt wieder zunahmen.
Ein dauerhafter Frieden könnte die Weltwirtschaft hingegen stark beflügeln. In einem solchen Szenario rechnet der IWF mit einer schnellen Erholung der Handelswege und Lieferketten und hat seine globale Wachstumsprognose für 2027 von 3,2 auf 3,4 Prozent erhöht. Die Inflationsaussichten trüben sich indes ein. Für dieses Jahr wird nun ein Anstieg der globalen Verbraucherpreise um 4,7 Prozent erwartet, nach zuvor veranschlagten 4,4 Prozent. Getrieben wird dieser Anstieg durch hohe Energie- und Lebensmittelkosten.
Derweil tut sich durch den KI-Boom eine bemerkenswerte Kluft auf. Während die Prognosen für die Krisenregion Naher Osten teils drastisch gesenkt wurden – so brach die Wachstumserwartung für Saudi-Arabien im Jahr 2026 um 1,4 Punkte auf 1,7 Prozent ein –, verzeichnen auf KI spezialisierte asiatische Volkswirtschaften eine „positive Überraschung“. So wuchs Südkorea im ersten Quartal dank KI-Hardware-Exporten um 7,5 Prozent und übertraf damit die April-Prognose von 1,8 Prozent um ein Vielfaches. Auch Taiwan, Malaysia und Thailand profitieren überdurchschnittlich von der Technologie-Nachfrage.
Für andere große Schwellenländer sehen die Aussichten gemischt aus. Der IWF hob die Wachstumsprognose für China für dieses Jahr auf 4,6 Prozent und für 2027 auf 4,1 Prozent an. Die Prognose für Indien wurde für das laufende Jahr dagegen leicht auf 6,4 Prozent gesenkt, während sie für das nächste Jahr auf 6,7 Prozent stieg. Die Wachstumserwartung für die US-Wirtschaft bleibt stabil bei 2,3 Prozent, für Russland unverändert bei 1,1 Prozent. Die iranische Wirtschaft wird den Projektionen zufolge in diesem Jahr um 5,4 Prozent schrumpfen.